Stadtplanungsausschuss auf Beratungsrundreise

Sanieren im Rathaus und Sparen am Grün

+
Staunende Blicke zu maroden Mauern, schiefen Balken und bröckelnden Decken: Eckhard Meier, Fachbereichsleiter Technik beim Gebäudemanagement (Mitte), erläuterte den Ausschussmitgliedern die Sanierungsarbeiten im Alten Rathaus, die in Kürze weitergehen sollen.

Uelzen. Mit den Schuhen im Mullersand, den Kopf hochgereckt an bröseligen Lehmwänden vorbei zu morschen Balken an der Decke – so fanden sich die Mitglieder des Bau- und Planungsausschusses der Stadt Uelzen zu Beginn ihrer Bereisung des Stadtgebietes wieder:

Ausgangspunkt nämlich war das Alte Rathaus, und zwar das Innere.

Eckhard Meier, Fachbereichsleiter Technik des Gebäudemanagements, führte die Ausschussmitglieder durch das rund 600 Jahre alte Gebäude, das innen einer Mondlandschaft gleicht, und erklärte Besonderheiten der in Kürze fortschreitenden Sanierung (AZ berichtete). So sei der Mittelteil des Alten Rathauses stark abgesackt und müsse im Laufe der Arbeiten wieder angehoben werden. Andere Gefälle, die durch ein weiteres Absacken an der Nordost-Seite entstanden sind, sollen derweil mit den neuen Bodenplatten ausgeglichen werden.

Der Blick zu den wurmstichigen Holzbalken an der Decke ließ so manchen zweifelnd die Augenbrauen hochziehen, als Meier berichtete, dass man die Balken zwar sanieren werde, selbige dann aber wieder verkleide, weil es der Brandschutz so wolle. Für Burkhard Schorling (Wir für Uelzen) hanebüchen: „Was soll denn das? Die Balken kann man doch so lassen, wenn die sowieso verkleidet werden“, befand er. Eckhard Meier informierte allerdings, dass der Denkmalschutz da „eine andere Sichtweise“ habe: Der Wurmbefall müsse nun mal behandelt werden. Verkleidet werden die Holzbalken dann aber trotzdem. Kleiner Trost: Im Obergeschoss des Alten Rathauses sollen etwa ein Drittel der alten Holzbohlen auf dem Fußboden erhalten und wiederverwendet werden.

Nachdem Uelzens Baudezernent Karsten Scheele-Krogull erläutert hatte, dass in den rechten Bereich im Erdgeschoss neben dem Haupteingang das Café „Samocca“ einziehen und im linken Bereich die Kreisvolkshochschule ihre Besucher empfangen wird, ging es weiter: Ab in den Bus und quer durch die Stadt. Unter anderem waren die Bauarbeiten an der Greyerbrücke (AZ berichtete) und der fix und fertig eingerichtete Ausweichparkplatz an der Albrecht-Thaer-Straße Ziele. Letzterer soll mit Beginn des Marktcenter-Baus die bislang am Kreishaus parkenden Fahrzeuge aufnehmen.

Die Fahrt führte dann nach Westerweyhe, wo am Libellenweg, Withop und Kiebitzweg Halt gemacht wurde. Dort erläuterte Christine Tietz aus der Abteilung Grünflächen und Umwelt das Prinzip der Grünpatenschaften für Flächen im Wegeseitenraum, wie es eben dort praktiziert wird: Anwohner pflegen das sogenannte „Begleitgrün“. Ausschussvorsitzender Karsten Jäkel (CDU) stellte allerdings das Kosten-Nutzen-Verhältnis und die Notwendigkeit hierfür in Frage, denn die Anlieger werden für ihre Pflegearbeiten mit etwa zwei Euro pro Quadratmeter pro Jahr entschädigt.

Die Kosten – schließlich haben die Stadtpolitiker in Zeiten des angestrebten Zukunftsvertrages mit dem Land Niedersachsen Einsparungsmöglichkeiten im Hinterkopf – standen dann auch bei den weiteren Stationen im Mittelpunkt: Am Johnsburg-Kreisel erklärte Christine Tietz, dass eine Umstellung der Arbeiten der Betrieblichen Dienste und ein pflegeleichtes Anlegen der Pflanzflächen dazu geführt hätten, dass sich die Kosten von 14 000 Euro in 2011 in diesem Jahr fast halbiert hätten. Wenn man dies für alle neun Kreisel im Stadtgebiet so umsetze, könnten Gesamtkosten von jährlich 60 000 auf rund 30 000 bis 40 000 Euro reduziert werden.

Reduziert werden sollen auch die Kosten für die Unterhaltung der Grünflächen rund um den Ratsteich samt Gertrudenkapelle. Christine Tietz stellte hier Pläne vor, nach denen mehr Rasenflächen einerseits für weniger Aufwand und andererseits für mehr Durchblick sorgen sollen. Das Entfernen von Bäumchen und Büschen solle den Blick frei geben auf Teich und Kapelle. Im Übrigen werde das Gebüsch sowieso nur von manchen Herrschaften als Toilette benutzt, so Tietz.

Die derzeitigen Kosten für die Grünpflege von etwa 40 000 Euro könnten so um rund 10 000 Euro gesenkt werden, rechnete Tietz vor. Für Karsten Jäkel sind Einsparungen an dieser Stelle unabdingbar: „Da bekomme ich Schüttelfrost, wenn ich solche Summen höre“, entrüstete er sich.

Von Ines Bräutigam

Kommentare