„Mensch 2012“: Brigitte Besenthal engagiert sich am Hilfstransport nach Gomel

Die Sammeldose für Spenden ist immer dabei

Wieren. „Da hängt mein Herz dran“, sagt Brigitte Besenthal, sie kann nicht anders. Seit sie 1993 das erste Mal Ferienkinder aus Gomel aufgenommen hatte, ist die inzwischen 79-Jährige für den Gomelausschuss des Uelzener Kirchenkreises aktiv.

„Unser Pastor suchte Helfer für die Hilfstransporte in das verstrahlte Gebiet“, erinnert sie sich, „und mein Mann sagte, da machen wir mit. “ Im darauf folgenden Jahr fuhr das Ehepaar das erste Mal mit nach Gomel. Seitdem ist sie ein einziges Mal nicht mitgefahren. „Das war, als mein Mann so krank wurde und verstarb. “ Zurzeit bereitet sie sich auf die 42. Tour vor. In dem Gebiet um Gomel, etwa 100 Kilometer von Tschernobyl entfernt, regnete seit der Reaktorkatastrophe 1986 die radioaktive Wolke am stärksten ab. Der Gesundheitszustand der dort lebenden Kinder ist erschreckend. „Wir fahren mit acht Personen in zwei Bussen, wechseln uns beim Fahren alle zwei Stunden ab, um den Transport mit Hilfsgütern zu begleiten. “ Anfangs ging es ihnen darum, den Menschen in Gomel unbelastete Lebensmittel zu bringen. „Das ist nicht mehr erlaubt. “ Nun geht es um die Versorgung mit dem Nötigsten, vor allem mit Medikamenten.

Das Schicksal der Kinder und deren Eltern, die dem Leiden hilflos zusehen müssen, lässt sie nicht ruhen. Besenthal erzählt von einem vierjährigen Jungen, der vor zwei Jahren auf die Chemotherapie allergisch reagierte. Die Uelzener konnten mithilfe der Landeskirche ein teures Ersatzmedikament auftreiben. „Wenn wir nur ein Kind vor dem sicheren Tod retten, lohnt sich der Einsatz.“ Ein Mädchen hatte nach ihrem vierwöchigen Ferienaufenthalt in Uelzen so gute Blutwerte, dass das Untersuchungsintervall auf ein Jahr verlängert werden konnte. Etwa 200 Kinder betreut die Leukämiestation ambulant 35 kranke Kinder kann sie stationär aufnehmen. „Die Gespräche mit den Ärzten sind für uns alle sehr belastend“, räumt Brigitte Besenthal ein, „und spornt uns alle an.“ Es lässt sie und die anderen Helfer nicht mehr los. Das ganze Jahr steht die Gruppe bereit, jeden Dienstag in Groß Liedern Spenden entgegenzunehmen. Sie werden in Bananenkisten gepackt für den Transport vorbereitet.

Daneben organisiert Besenthal mit der Gruppe das ganze Jahr über mehrere Aktionen, um Geld für die Ferienaufenthalte zu sammeln. „Wir brauchen 700 Euro für jedes Kind“, sagt Besenthal, während sie eifrig an dem nächsten Sockenpaar strickt. Der Erlös für die Socken ist für Gomel bestimmt. Die Sammeldose für die Spenden ist immer dabei. Jeden Adventssonnabend schenken sie Glühwein aus und „in der Spargelzeit schälen wir auf dem Wochenmarkt Spargel für eine Gomel-Spende.“

„Für jeden Tag, den ich so fit bin und noch helfen kann, bin ich dankbar“, sagt die vierfache Großmutter, die auch noch weitere Strecken selbst mit dem Auto fährt und im Frauenkreis der Gemeinde mitwirkt.

Von Angelika Jansen

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