Samba trifft Dudelsack

Käpt‘n Kümo lädt eher zum Tanz als zum Marsch.

Uelzen - Von Jürgen Köhler-Götze. Die Schlacht der Spielmannszüge: Das hört sich ganz militärisch an. Und es sah auch militärisch aus, zumindest wenn die dänische Sønderjyske Garde in ihren Uniformen mit den dänischen Nationalfarben marschierte. Die Konkurrenz der Rhine Power Pipe Band marschiert nicht weniger zackig, wenn auch einen Tick gelassener, durch die Marktstraßen Uelzens.

Schon morgens um 10 Uhr machen insgesamt sechs Bands einen ziemlichen Alarm auf dem Markt und den angrenzenden Straßen, marschieren zwischen den Marktständen, bleiben mal zu einem Platzkonzert stehen – und vor allem treffen sie immer wieder aufeinander. Ausgeheckt hat die Aktion der Komponist Richard Wester, der mit seiner Käpt‘n Kümos Marching Band schon eine richtige Fangemeinde in Uelzen hat.

Wester dirigiert das scheinbare Chaos generalstabsmäßig per Funkgerät, einen Stadtplan vor sich auf dem Tisch, auf dem die Routen markiert sind, auf denen die Bands marschieren. Immer wieder arrangiert er Zusammentreffen der Bands. Da spielt gerade die Rhine Power Pipe Band gerade ganz friedlich und erstaunlich leise auf den Dudelsäcken und plötzlich taucht der Uelzener Spielmanns- und Fanfarenzug auf und marschiert quer durch die Formation der Schotten. Gerät da wer aus dem Takt? Springt eine Band auf das auf, was die andere spielt? Auf jeden Fall macht es einen Höllenlärm.

Ein Stück weiter schleicht sich ein Trompeter der Black Diamonds aus Soltau in Käpt‘n Kümos Marching Band, spielt zunächst mit und versucht dann, das Kommando zu übernehmen: Einen Schnaderhüpferl gibt er vor. Gelächter bei Käpt‘n Kümo. Das Spiel machen sie mit, aber die betuliche bayerische Melodie kriegt einen knackigen Samba-Rhythmus unterlegt. Das bringt wiederum den Trompeter so zum Lachen, dass er kaum weiterspielen kann. Übernahme gescheitert, aber alle, vor allem auch das Publikum, haben Spaß an der Aktion. Bis zum Schluss der Schlacht um 14 Uhr ist die Stadt so voll wie sonst nur an verkaufsoffenen Sonntagen.

Zum Abschlusskonzert aller Bands auf dem Herzogenplatz versammelten sich nach Schätzung von City-Manager Joachim Lotz zwischen 3500 und 4500 Besucher. Selbst der plötzlich einsetzende Regen trieb nur wenige Besucher nach Hause.

Jede Band spielte zwei Einzeltitel, bevor die Verlosungsaktion startete, bei der unter anderem eine Ballonfahrt zu gewinnen war. Der zweite Durchgang der Bands mit Einzeltiteln fiel dem Regen zum Opfer, aber beim großen Finale, bei dem alle Bands gemeinsam unter dem Dirigat von Richard Wester „Amazing Grace“ und „Auld Lang Syne“ spielten, brachte viele Besucher zum Mitsingen.

Nach dem gemeinsamen Auszug der Bands vom Herzogenplatz unter Führung der Kümos war noch lange nicht Schluss. Es kam mehrfach zu spontanen Platzkonzerten der Bands an verschiedenen Orten der Innenstadt. Die Bands waren nämlich nicht weniger begeistert als die Zuschauer.

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