Krankenkasse: Eltern und Ärzte sind oftmals unterschiedlich sensibilisiert für das Thema ADHS

Uelzener Zappelkinder: Die Sache mit der Diagnose

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Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil in der nichtmedikamentösen Therapie von ADHS-Kindern, weil sie den Kindern Spaß macht und diese daher gerne mitmachen.

ct/tm Uelzen. Mit Bewertungen ist man bei der Barmer GEK lieber vorsichtig.

Warum bei so vielen Kindern und Jugendlichen im Landkreis Uelzen eine Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, diagnostiziert wird? Es könne damit zu tun haben, dass Eltern und Ärzte unterschiedlich für dieses Thema sensibilisiert sind. Womöglich würden ADHS-Betroffene noch immer oft als „Zappelkinder“ abgetan. Oder: Der Stress, dem Kinder in Schule und Familie ausgesetzt sind, ist in manchen Gegenden geringer als in anderen, formuliert es Barmer-Sprecher Thomas Nawrath vorsichtig.

In Fachkreisen wird man da schon konkreter, wenn auch nicht offiziell: Andernorts sei man sehr verwundert über das Diagnostikverhalten und die Medikation von Kollegen in Uelzen, heißt es dazu. Während anderswo Kinderpsychiater eingeschaltet würden, die spezielle Untersuchungen vornehmen, gebe es auch Kinderärzte, die relativ schnell mit einem solchen Befund zur Hand wären.

Fakt ist: Während im Landkreis Uelzen bei 1098 von 16 555 Kindern und Jugendlichen ADHS diagnostiziert wurde (6,6 Prozent), sind im Altmarkkreis Salzwedel 308 von insgesamt 14 122 Kindern betroffen. Das entspricht 2,2 Prozent. Im Landkreis Stendal sind es 832 von 17 937 unter 20-Jährigen, 4,6 Prozent.

Schaut man auf weitere nordostdeutsche Regionen, steht der Landkreis Ludwigslust-Parchim (2,6 Prozent) ebenfalls vergleichsweise gut dar. Es folgen die Prignitz (3,7) sowie Wolfsburg (4,1). Deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegt, neben Uelzen, hingegen Lüchow-Dannenberg (7,2). In einigen süddeutschen Landkreisen wird ADHS mittlerweile bei mehr als jedem zehnten Schulkind diagnostiziert.

Generell sind ADHS-Diagnosen bei Jungs dreimal so häufig wie bei Mädchen. Die meisten Fälle werden im Alter von 8 bis 14 Jahren verzeichnet. Es gibt aber auch Erwachsene, die unter dem Syndrom leiden.

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