Oskar Lafontaine spricht in Uelzen über „idiotische Politik“ der anderen Parteien

Saarländer teilt aus

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Uelzen. Oskar Lafontaine hat keine Zeit zu verlieren. Am Abend hat er noch eine weitere Wahlkampfveranstaltung zu bewältigen. Und außerdem: Gerade einmal zehn Tage sind es noch bis zum Urnengang in Niedersachsen.

So kommt er gestern in der Uelzener Stadthalle gleich zum Punkt, ohne großen Anlauf: Wortgewaltig und gestenreich erklärt er den gut 50 Männern und Frauen im Saal, warum die Linke am 20. Januar und auch bei der Bundestagswahl im Herbst „die einzige Alternative“ ist. „Weil die Parteien labern, labern, labern und viel Papier bedruckt wird, wenn es aber dann zum Schwur kommt, man genau für das Gegenteil votiert, für das man sich zuvor ausgesprochen hat“, so Lafontaine. Die SPD und Grünen bekommen ihr Fett weg, weil „sie all das, was sie zu Regierungszeiten verbrochen haben, nun plötzlich besser machen wollen“ und „weil eine idiotische Politik verfolgt wird“ – mit verzerrtem Gesicht brüllt er diesen Satz den Genossen entgegen. Lafontaine zeigt sich kämpferisch, braucht das Mikrofon nicht, das man ihm hinstellte – er spricht jetzt gerade mal eine Viertelstunde in der Uhlenköperstadt.

In Uelzen ist der Saarländer nicht zum ersten Mal zu Gast, wie er berichtet. Als er 1990 Bundeskanzlerkandidat für die SPD gewesen sei, habe ihn der Weg schon einmal in den Nordosten Niedersachsens geführt. Lafontaine: „Das waren aber andere Zeiten.“

Jetzt ist der 69-Jährige auf Einladung des Kreisverbandes der Linkspartei, deren Mitbegründer er ist, nach Niedersachsen gekommen. Mit ihm auch der Liedermacher und Bundestagsabgeordnete Diether Dehm, der Stücke wie die Schimanski-Hymne „Faust auf Faust“ und „Tausend mal berührt“ schrieb. Musik und Politik – beides sei für ihn eine „Herzensfrage“, sagt Dehm im AZ-Gespräch. Mit Emotionen habe sowohl das eine als auch das andere zu tun. Er hasse die Machenschaften der Banker und kämpfe deshalb für die Menschen, die es schwer haben. Das lasse sich in der Politik wie auch über die Musik vermitteln. Bei der Veranstaltung nutzt er so die Zeit zwischen den Reden und dem Auftritt von Oskar Lafontaine, um einige seiner Lieder darzubieten. Eingestreut werden Brecht-Gedichte.

Von Norman Reuter

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