Rheinmetall gibt Gewinnwarnung heraus / Geschäftsfeld Defence macht 52 Millionen Euro Minus

Verlustgeschäft Rüstung

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Der neue Schützenpanzer Puma, dessen Produktion in Unterlüß angelaufen ist, gilt als eine der Hoffnungen des Rheinmetall-Konzerns. Im ersten Halbjahr 2014 fuhr die Rüstungssparte Verluste in Höhe von 52 Millionen Euro ein.

Unterlüß/Düsseldorf. Das gestoppte Geschäft mit Russland verhagelt Rheinmetall die Bilanz.

Nachdem Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel die bereits genehmigte Ausfuhr eines Gefechtsübungszentrums im Wert von 100 Millionen Euro untersagt hatte (AZ berichtete), gab der Vorstand des Autozulieferers und Rüstungskonzerns mit Hauptsitz in Düsseldorf gestern bei der Vorstellung der Halbjahrsbilanz eine Gewinnwarnung heraus.

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Rheinmetall mit einem Umsatz von 4,6 bis 4,7 Milliarden Euro, 200 Millionen Euro weniger als ursprünglich anvisiert. Der Umsatz im Bereich Defence (Verteidigung) mit Schwerpunkt in Unterlüß wuchs um sieben Prozent. Doch das „Geschäft mit dem Tod“, wie es Kritiker nennen, ist derzeit ein Verlustgeschäft.

Allein im ersten Halbjahr 2014 belastete die Verteidigungssparte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern mit 52 Millionen Euro. Lukrative Produkte wie Munition seien schlechter gelaufen, heißt es im Halbjahrsbericht. Dabei hat sich der Auftragsbestand sogar auf 6,174 Milliarden Euro erhöht (791 Millionen mehr als im Vorjahr).

Der Konzern selbst spricht in der Bilanz von „einem insgesamt schwierigen Marktumfeld“. Der größte Verteidigungshaushalt der Welt schrumpft, weil die USA sparen und ihre Einsätze im Irak und Afghanistan zurückfahren. Auch die Bundeswehr, wichtigster Einzelkunde für Rheinmetall, hat im laufenden Jahr 400 Millionen Euro weniger zur Verfügung. Der Konzern setzt daher auf einen global leicht wachsenden Markt. Unter Berücksichtigung der durch die Bundesregierung gesetzten außen- und sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen wolle man Marktpotenziale in anderen befreundeten Staaten nutzen, heißt es in der Bilanz. Mit den Rahmenbedingungen sind die Genehmigungen für Rüstungsexporte gemeint. Wirtschaftsminister Gabriel hatte angekündigt, strengere Maßstäbe anzulegen. Mit dem Beschluss, das Russlandgeschäft zu stoppen, war der Vizekanzler über die Sanktionen der EU hinausgegangen.

Für das entgangene Geschäft verlangt Rheinmetall eine Entschädigung und droht notfalls mit dem Gang vor Gericht. „Wir arbeiten intensiv daran, auch unter Ausnutzung aller uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten, die finanzielle Belastung so gering wie möglich zu halten“, heißt es im Geschäftsbericht vielsagend. „Hierzu führen wir mit der Bundesregierung Gespräche über den Umfang der Ersatzansprüche, die aufgrund einer zurückgenommenen Ausfuhrgenehmigung bestehen können.“ Das Unternehmen geht von einem Schaden von 15 bis 20 Millionen Euro aus.

Von Gerhard Sternitzke

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