Von Woche zu Woche

Rote Karte für Raser

Bad Bevensen, Langenbrügge, Molzen, Holdenstedt, Westerweyhe,  ... Die Liste ließe sich ohne Not fortführen. Die Orte im Landkreis eint ein Reizthema: Es wird innerorts zu schnell gefahren.

Einwohner berichten der Politik in Fragestunden von Rasern, für die Geschwindigkeitsbegrenzung ein Fremdwort ist. Damit wirds laut und gefährlich in den Orten, tönt die Klage der Bevölkerung und der Ruf nach Konsequenzen folgt. Blitzer, Verkehrsinseln, Bodenwellen – und immer wieder als Forderung erhoben – die Tempo-30-Zone sollen es richten.

Was von Verwaltungen, dem Landkreis, der Landesstraßenbaubehörde, der Stadt oder der Politik dazu zu hören ist, vermag den Wutpegel in der Bevölkerung nicht zu senken. Man nehme die Sorgen der Bevölkerung ernst, heißt es. Meistens folgt dann ein „Aber“. Die Verstöße seien zu belegen. Und: Es müsse eine Gefahrenlage bestehen, damit eine Tempo-30-Zone eingerichtet werden könne, bekommen die Einwohner gesagt.

Die Hürden für den Eingriff in Straßenverkehr liegen hoch. Das ist verständlich, schließlich haben Politik und Verwaltung nicht nur dafür zu sorgen, dass Gefahrenpunkte verhindert werden, sondern auch, dass ein Verkehrssystem funktioniert. Heißt: Es muss Verlässlichkeiten für die Autofahrer geben. Außerdem stellt sich der Verfasser die Frage, welche Klagelieder zu hören wären, würde generell auf den Straßen Tempo 10 gelten, um die Ohren und das Asphalt zu schonen sowie Unfälle zu verhindern.

Am Ende ist es eine Abwägung bei den Fragen: Was wiegt schwerer? Und bringt die Maßnahme auch etwas? Einwohner, die eine Verkehrsinsel oder eine Bodenwelle vor der Haustür haben, wissen von kurzen Bremsmanövern zu berichten, bevor wieder richtig Gas gegeben wird. Das ist lauter als jeder durchrauschende Verkehr, sagen sie.

Was bleibt also den Orten, wenn der Abwägungsprozess sich hinzieht? Wilhelm Spangenberg aus dem Ortsrat Molzen rät den Einwohnern zu einer drastischen Maßnahme, wenn die Übeltäter bekannt sind: Ihnen soll die Rote Karte gezeigt werden. „Erst ansprechen, und wenn es nichts hilft, dann anzeigen.“ Molzens Bürgermeister Henning Gröfke befürchtet, unter solchen Aktionen könnte die Gemeinschaft im Ort leiden. Die leidet aber auch schon darunter, dass sich die Anwohner über die Raser ärgern.

Von Norman Reuter

Rubriklistenbild: © Privatfoto

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