Rollendes WM-Maskottchen

Schwarz-rot-gold auf Rädern: Nando Jablonskis alter Ford trägt während der Fußball-WM ein Kleid aus Acrylfarben. Heute Abend ist das Auto an der Jabelmannhalle zu sehen.

Uelzen - Von Diane Baatani. Jedes zweite Auto hupt, wenn es an seinem alten Ford vorbeifährt. Lastwagen-Fahrer zeigen „Daumen hoch“. Wenn Busse durch Groß Liedern kommen, winken die Insassen wild heraus. Nando Jablonski hat nicht erwartet, dass er mit seinem WM-Auto in Uelzen so ein Aufsehen erregt. Der 24-Jährige hat pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft seinem Auto ein schwarz-rot-goldenes Kleid verpasst. „Aber meine Freundin fährt jetzt nicht mehr so gern mit“, gibt er zu.

Die Kühlerhaube, das Dach und die Seitentüren seines alten Fords haben Jablonski und seine Freunde schwarz-rot-gold gestrichen. „Wir saßen vor der WM mit ein paar Kumpels zusammen. Schwarz war der Ford sowieso schon, dann können wir auch die anderen Farben dazu malen“, überlegten sie sich. Wer das Auto aus der Nähe betrachtet, mag sich wundern. Sind die Farben der deutschen Flagge schließlich dickflüssig mit Acrylfarbe aufgetragen. „Das ist ja nicht teuer“, erklärt Jablonski. „Und so ist es einfach ein Spaß.“ Der Pkw ist aus dem Baujahr 1987 und damit beinahe genauso alt wie sein Fahrer. Vor zwei Jahren hatte er ihn für 300 Euro erstanden. „Nach der WM müsste er zum TüV“, verrät er, da fiele er mit Sicherheit durch. Deshalb wird das WM-Maskottchen in den nächsten Monaten ohnehin zu einem Schrottverwerter rollen.

Vor zwei Tagen wurden nachts die wehenden Fahnen an den Autofenstern abgebrochen. Ärgerlich hat der gelernte Stahlbetonbauer schnell dekorativen Nachschub besorgt, denn so möchte er den Wagen heute Abend auch an der Jabelmannhalle zeigen. Die letzten Wochen war Jablonski wegen eines Bandscheibenvorfalls krankgeschrieben und konnte nur zu Hause auf dem Sofa die Spiele sehen. Ab heute geht er wieder seiner Arbeit als Kranfahrer nach und darf endlich auch das Public Viewing mit erleben. Da können die FußballFans an der Jabelmannhalle nicht nur zu hupen, sondern auch Fotos mit dem WM-Auto machen.

„Ich muss nur hoffen, dass wir heute gewinnen, sonst muss ich wieder streichen“, überlegt der Uelzener. Sein Tipp für Deutschland gegen Ghana lautet hoffnungsvoll 3:1.

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