Zeugen in Angst vor zwei Angeklagten

Rocker-Fall: Streitobjekt Pitbull-Terrier

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az Uelzen/Lüneburg. Unbeteiligt wirken Vater und Sohn auf der Anklagebank des Lüneburger Landgerichts, während sich die Zeugen weiterhin hartnäckig den Fragen der Richter verweigern.

„Für mich hat sich das erledigt“, versucht ein Zeuge, der am 19. April 2011 in seiner Wohnung an der Hambrocker Straße in Uelzen von dem Duo überfallen worden war, die Richter von weiteren Fragen abzuhalten. Dem Vater, der bis zum vergangenen Jahr Mitglied des Uelzener Motorradclubs „Red Devils“ – einem Handlanger der Hells Angels – war, und seinem Sohn werden 16 Fälle von Körperverletzungen, Nötigung und Bedrohungen zur Last gelegt.

„Ich war so besoffen, dass ich mich nicht mehr erinnern kann“, sagt der verunsicherte Zeuge von der Hambrocker Straße nach der weiteren Belehrung durch den Vorsitzenden Richter Thomas Wolter. „Für uns und die Staatsanwaltschaft hat sich das nicht erledigt, wir sind auf ihre Aussage angewiesen“, betont der Vorsitzende leidlich ungehalten. „Sie sind verpflichtet, hier die Wahrheit zu sagen.“

Laut Anklage verbreiteten die Angeklagten auch an der Luisenstraße Angst und Schrecken. Demnach drohten sie ihren Opfern mit Verstümmelungen oder schüchterten sie mit gezielten Schlägen ein. Das eine Mal sei es um den Hund des Vaters gegangen. Dieser habe seinen Pitbull „Apollo“ einem Bekannten anvertraut, der ihn dann im Gebüsch beim Celler Schützenplatz festgebunden habe. Weil er später für die Auslöse des Hundes beim Celler Tierheim zahlen sollte, habe der Angeklagte versucht, 300 Euro von dem Bekannten zu erpressen. „Wenn das Geld morgen früh nicht da ist, stehst du nicht mehr auf“, habe er ihm gedroht, nachdem er sich Zugang zu einer Wohnung an der Luisenstraße verschafft habe, in der sich der Mann aufgehalten habe. „Wovor haben sie Angst?“, versucht der Vorsitzende die Zurückhaltung des Zeugen zu hinterfragen. „Ja, ich wurde geprügelt“, gibt der Zeuge letztlich widerwillig zu.

Eine Tierpflegerin des Tierheims bestätigt, den Hund zu kennen, der sich immer noch im Celler Tierheim befindet, und erinnert sich, eine Auslöse für medizinische Kosten in Höhe von 190 Euro verlangt zu haben, als sich der Besitzer gemeldet habe. Inklusive Fahrtkosten und Aufwendungen ergebe das 300 Euro, rechtfertigte der Ältere der beiden Angeklagten die Forderungssumme.

Für einen der nächsten Verhandlungstage verabreden die Prozessbeteiligten ein Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen. Das Ergebnis wird einerseits von der durch die zurückhaltenden Zeugen spärlichen Beweislage bestimmt sein. Andererseits solle den Angeklagten noch vor Abschluss der Beweisaufnahme deutlich gemacht werden, dass ein erleichterndes Geständnis zu bestimmten Zugeständnissen im Strafmaß führen könne.

Mit der Verlesung der Bundeszentralregisterauszüge, die im Verlauf einer Strafverhandlung am Ende der Beweisaufnahme steht, signalisiert die Kammer das nahende Ende dieses Strafprozesses. Auch die lange Liste von Vorstrafen – der Sohn hat 13 Verurteilungen und der Vater 18 Verurteilungen – könnte sich ungünstig auf das Strafmaß auswirken.

Am kommenden Montag geht der Prozess im Lüneburger Landgericht weiter, dem nach der bisherigen Terminplanung bis Anfang August noch fünf weitere Verhandlungstage folgen sollen.

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