Bauck-Hof will neue Rasse für ökologische Haltung züchten

Robuste Puten gesucht

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Das Gefieder der „Hockelhull“-Puten ist mit den braun, blau und grün schillernden Farbakzenten nicht nur hübsch anzuschauen, sondern schützt die Tiere auch vor Feuchtigkeit. Die robuste Rasse bezieht der Bauck-Hof aus England.

Klein Süstedt. Der Bauck-Hof in Klein Süstedt geht neue Wege in der Putenzucht: In einem auf mehrere Jahre angelegten Projekt möchte das Team robuste Tiere züchten, die für die ökologische Haltung geeignet sind.

Das sind die meisten Putenrassen bisher nämlich nur bedingt, wie die Agrarwissenschaftlerin Christine Bremer erklärt: „Wir haben von der ökologischen Haltung aus ganz andere Ansprüche an die Genetik als Konventionelle“, sagt die 36-Jährige.

Durch einseitige Züchtungen und industrialisierte konventionelle Haltung mit einheitlicher Klimazone, in der das Immunsystem der Puten nur gering gefordert würde, seien viele Rassen infektanfällig und empfindlich. Rassen, die eine Haltung im Freien problemlos vertragen, gibt es laut Bremer in Deutschland keine. Auch Ansätze für Öko-Zuchten suche man vergebens – und genau das will das Team des Bauck-Hofs ändern. Die ersten Schritte für die Entwicklung einer robusten Rasse sind bereits gemacht: Die Tiere, das Futter und das Wasser wurden untersucht, der Stall mit einem ausgeklügelten Hygienesystem auf Verkeimung untersucht – alles in Ordnung. Und dennoch: Die Probleme mit der Putenhaltung bleiben. „Nach ein paar Jahren Arbeit sind wir uns sicher: Es ist nur noch die Genetik übrig“, sagt Bremer.

Innerhalb des Zuchtprojekts, für das ein Förderantrag noch beim Landwirtschafts- und Agrarministerium läuft, sollen zunächst drei Rassen – insgesamt gibt es rund 40 unterschiedliche „Linien“, so werden die Rassen genannt – getestet werden. Derzeit rechnet Christine Bremer damit, die Tiere zum Jahreswechsel einstallen zu können. Küken aus ökologischer Haltung werden dann in Klein Süstedt hinsichtlich ihrer Eigenschaften beobachtet und ihre Entwicklung wird mit einer Herde englischer, sogenannter „Hockelhull“-Puten verglichen. Von dieser Rasse, die in Großbritannien extra für die Freilandhaltung gezüchtet wird, spazieren derzeit rund 350 Tiere über die Wiesen des Bauck-Hofs.

Bremer: „Über Geflügel wird leider wenig gelehrt, darum scheuen sich natürlich viele Landwirte, in diese Sparte zu gehen, was schade ist. Die Tiere sind eine echte Bereicherung für jeden Hof und es gibt viele Leute, die ökologisches Geflügelfleisch haben wollen – der Markt ist da.“

Von Wiebke Brütt

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