Risse im Sanierungs-Plan

Meterhohe Risse sind an der Innenseite des Turms zu sehen. Ob diese beim Glockengeläut noch in Bewegung sind, muss nun gemessen werden. Eine Firma aus Aachen ist mit der Langzeit-Messung beauftragt worden. Foto: Wendlandt

Uelzen. Tiefe Risse ziehen sich meterlang über die Mauern des Uelzener St.-Marien-Kirchturms. Bei 1,60 Meter breiten Mauerwänden besteht deshalb zwar keine akute Gefahr, stellt Sebastian Gokus von der Aachener Kempen Krause Ingenieurgesellschaft klar.

Aber im Zuge der Sanierung des Kirchturms muss er überprüfen, ob diese Risse im Mauerwerk noch aktiv sind. Wenn die Risse sich beim Glockenschlag mitbewegen, müssten noch mehr Sicherheitsmaßnahmen eingerichtet werden, als ohnehin schon geplant ist.

Für das sogenannte Riss-Monitoring setzt Gokus an drei Wänden Keile an das Mauerwerk und prüft mit einem Sensor vor, während und nach einem Probe-Läuten die Position und mögliche Veränderung des Gesteins. Die Messung läuft über ein Jahr und die Firma kann aus Aachen in regelmäßigen Abständen die Ergebnisse digital abrufen. Von den Werten ist nicht nur abhängig, an welchen Stellen und wie viele Anker aus Edelstahl neu gesetzt werden müssen. Sie sollen auch für die Planung einer neuen Glockenanlage genutzt werden und darüber Auskunft geben, welche Glocken geeignet sind und wie die Schwingung ausgerichtet sein darf. „Die eigentliche Schwingfrequenz des Turms darf sich nicht decken mit der Glockenanlage“, erklärt Manfred Cordes vom Amt für Bau- und Kunstpflege des Landeskirchenamtes in Lüneburg.

Im vergangenen Herbst hatten die Arbeiten an der St.-Marien-Kirche begonnen. Instabile Steine werden aus dem Mauerwerk gelöst, ersetzt oder zumindest neu verfugt. An dem Turm hatten sich bereits im vergangenen Jahr Anker gelöst und waren herabgefallen. Weitere rostige Anker werden herausge-stemmt. „Wir sind dabei, den Bereich abschnittsweise durchzusanieren“, berichtet Cordes. Derzeit sind die Schmuckbänder an der Reihe.

Ursprünglich hatte Cordes damit gerechnet, bis zum Weinmarkt im Juni dieses Jahres mit den Außenarbeiten fertig zu werden. Doch wegen des harten Winters wurden die Sanierungsmaßnahmen monatelang unterbrochen, bei zu niedrigen Temperaturen kann der Gipsmörtel zum Verfugen nicht genutzt werden. Ebenso müsse man aufpassen, dass „in der ganz heißen Phase im Sommer der Mörtel nicht verbrennt“, erläutert Cordes. Erst vor wenigen Wochen haben die Handwerker die Arbeit wieder aufgenommen. Nun hofft Küster Willy Strothmann, dass bis zum Weinmarkt 2012 alle Maßnahmen beendet sind. „Wir wären heilfroh, wenn wir in diesem Jahr allein den Turm durchbekommen“, sagt auch Cordes. Denn anschließend stehen noch weitere Arbeiten in der Kirche an. Ob es bei der Summe von 460 000 Euro bleiben wird, die er zu Beginn der Sanierungsarbeiten genannt hatte, sei bislang noch ungewiss. Denn nach den Arbeiten am Mauerwerk sind noch die Strebenpfeiler des Kirchenschiffes dran.

Von Diane Baatani

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