tun zu viel für ihre Kinder / Experte: Mit „Mia san mia“ gegen Leistungsdruck

„Helikopter-Eltern“: Das richtige Maß an Zuwendung?

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„Flugabwehr-Plakat“: Dezentes Aufbäumen einer Bildungseinrichtung gegen Eltern, die ihre Kinder kaum noch alleine lassen können und wie Hubschrauber ständig über ihnen kreisen. Zum Thema Helikopter-Eltern gibt es jetzt einen Vortrag am HEG.

Uelzen. Transporthubschrauber, Rettungshubschrauber, Kampfhubschrauber: Es sind anschauliche Bilder, mit denen seit einiger Zeit überfürsorgliche Eltern, allgemeiner „Helikopter-Eltern“ genannt, charakterisiert werden.

Josef Kraus hat sich mit dem Thema intensiv beschäftigt und trägt am 30. Mai hierzu in der Mensa des Herzog-Ernst-Gymnasiums in Uelzen vor. „Helikopter-Eltern sind Eltern, die ständig über ihren Kindern kreisen, sie beobachten, kontrollieren und immer bereit sind, ihnen schon bei Kleinigkeiten zu helfen und ihnen zur Seite zu springen“, erklärt Kraus.

Josef Kraus

Diese Eltern seien mittlerweile, so Kraus weiter, nicht mehr nur an Schulen, sondern auch an Kindergärten, bei Jugendämtern sowie für Kinderärzte und Fahrlehrer ein Problem. Kraus: „Eltern kommen mit fertiger Diagnose und Behandlungsplan zum Arzt oder wollen bei Fahrstunden und Führerscheinprüfungen mit im Auto sitzen.“ Kraus ist Landshuter und war viele Jahre als Schulleiter und Schulpsychologe tätig. Er betont, dass es weder in seinen Vorträgen noch in seinem Buch „Helikopter-Eltern“ um eine pauschale Kritik an der Elternschaft gehe. Es seien, so Kraus, lediglich rund 15 Prozent der Eltern, auf die der Begriff Helikopter-Eltern zutreffe. Zirka genauso viele Eltern kümmerten sich gar nicht um ihre Kinder. Und das, so Kraus, sei noch viel schlimmer für den Nachwuchs. Zwei Drittel – das ist Kraus’ positive Nachricht – machten bei der Erziehung aber auch vieles richtig.

Dazu, was richtiges Erziehen ist, teile er keine Rezepte aus, sagt Kraus der AZ vorab. Er liefere lediglich Denkanstöße. So definiere er beispielsweise erziehen als den „täglich neu zu definierenden Mittelweg zwischen führen und wachsen lassen“. Er stelle klar, dass sich erziehen nur begrenzt planen lasse und dass es immer wieder auf Bauchgefühl und Intuition ankomme.

"Erziehung braucht Leichtigkeit und Humor." Josef Kraus

Und, so Kraus weiter: „Der Mensch beginnt nicht mit dem Abitur.“ Dahinter stecke die Absage an den weitverbreiteten Glauben, dass Kinder nur mit möglichst hohen Bildungsabschlüssen erfolgreich und glücklich werden könnten. Kraus: „Bei aller Ernsthaftigkeit – Erziehung braucht Leichtigkeit und Humor.

Weil meist kaum Helikopter-Eltern zu seinen Vorträgen kämen, richteten sich diese insbesondere an Lehrer, aber auch Eltern und Großeltern. Im Publikum, fasst Kraus zusammen, seien insbesondere jene, die unter dem Phänomen Helikopter-Eltern litten, aber auch jene, die er in ihrem Erziehungs-Ansatz bestärke.

Dem frühkindlich beginnenden Leistungsdruck, welches Kind als erstes allein auf dem Töpfchen sitze oder radfahre, halte er – ganz Bayer – beispielsweise entgegen: „Mia san mia – und was die anderen machen, ist uns wurscht!“

Von Steffen Kahl

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