„Rettet den Metronom!“

Der Metronom gehört in Uelzen längst zum Stadtbild. Die Mitarbeiter befürchten nun eine Zerschlagung.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Zwei Wochen nach der Entlassung beider Geschäftsführer hat die Belegschaft der Uelzener Eisenbahngesellschaft Metronom einen dramatischen Hilferuf an Ministerien und Politiker des Landes und Bundes geschickt: In dem achtseitigen Brandbrief, den rund 200 der 320 Mitarbeiter unterzeichnet haben und der der AZ vorliegt, fordern die Eisenbahner unter anderem die Wiedereinstellung der beiden geschassten Geschäftsführer Henning Weize und und Carsten Hein sowie die Umwandlung des Metronom in eine eigenständige, von Verkehrskonzernen unabhängige Eisenbahngesellschaft in Niedersachsen.

Ihre Namen wollen die Verfasser des achtseitigen Schreibens nicht nennen, auch die Unterschriftenliste wurde nicht beigelegt, weil man Repressalien befürchtet. „Bei uns herrscht ein Klima der Angst, hier brechen alle Dämme“, schildert ein Mitarbeiter. So hat nach AZ-Informationen unter anderem der Vertriebsleiter und Prokurist die Konsequenz aus den Vorgängen der vergangenen zwei Wochen gezogen und gekündigt.

Es sei gelungen, trotz dezentraler Organisation, Urlaubs- und Krankheit über 200 Unterschriften von Mitarbeitern für den Erhalt und die Stärkung von Metronom und die Wiedereinstellung der beiden Geschäftsführer zu sammeln, heißt es von den Initiatoren. Das sei ein Beleg dafür, „wie groß die Empörung bei uns über diese unfassbare Entscheidung ist“. Man fürchte nun eine Zerschlagung des Unternehmens.

Der kaufmännische Geschäftsführer fehlt. Der technische Geschäftsführer fehlt. Der Qualitätsmanager fehlt. Und jetzt hat auch noch der Leiter des Vertriebes/Verkehrswirtschaft gekündigt. „Die Metronom Eisenbahngesellschaft ist derzeit gefährlich geschwächt, weil wichtige Schlüsselpositionen im Unternehmen nicht besetzt sind“, schreiben die 200 Mitarbeiter in ihrem Hilferuf. „Dadurch ist nicht nur die Erfüllung vertraglicher Pflichten wie der vereinbarte Aufbau eines eigenen Vertriebes, sondern die Existenz des Unternehmens insgesamt bedroht“, heißt es weiter.

Weitere Kündigungen von Führungskräften und Betriebspersonal seien wahrscheinlich angesichts des Stils der neuen Geschäftsführung, die durch Nicht-Information bewusst Gerüchtebildung in Kauf nehme. Und weiter: Die Zerschlagung des mittelständischen Unternehmens und die Eingliederung in einen Großkonzern scheine realistisch.

Bei der Weiterentwicklung sei Metronom immer wieder durch das Gesellschaftergeflecht eingegrenzt und an Bewerbungen für weitere Strecken gehindert worden – und auch an einer weiteren Verbesserung der Qualität. So heißt es in dem Papier: „Metronom wird in den Jahren zwischen 2002 und 2010 den vollen Gewinn von über 50 Millionen Euro an die Gesellschafter abführen. Eine Reinvestition in das Unternehmen wurde zu keiner Zeit getätigt und fehlt nun sogar zur Tätigung von erstmals nennenswerten Investitionen zum Aufbau der Metronom eigenen Vertriebsstruktur.“

Diese neue Entwicklung habe auch die Aufgabe des Selbstverständnisses als „Premium-Marke im Personennahverkehr zur Folge“, befürchtet die Belegschaft. „Wir Mitarbeiter des Metronom haben einen hohen Anspruch an uns.“ Die aufwändige Ausbildung und im Vergleich zu anderen privaten Eisenbahngesellschaften überdurchschnittliche Bezahlung „macht uns zu qualifizierten, motivierten und zufriedenen Mitarbeitern“. So nehme man die soziale Mitverantwortung gegenüber Fahrgästen sehr ernst, die Einführung des Alkohol-Konsumverbotes sowie Präventionsunterricht in Grundschulen und Kindergärten seien Beispiele.

Deshalb fordern die Unterzeichner unter anderem eine Herauslösung des Metronom aus dem „heterogenen Gesellschaftergeflecht“ und „eine einheitliche und abgestimmte Strategie der Gesellschafter mit marktüblichen Renditevorgaben“.

Kommentare