Central-Theater zeigt „The Demons“ im Rahmen der Hamburger Filmfesttage

Großes Kino: Regisseure pilgern nach Uelzen

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Kathrin Kohlstede (2.v.r.) ist Programmchefin des Hamburger Filmfestes und zuständig für die Auswahl der Filme. Sie kam für die Vorstellung von „The Demons“ in die Uhlenköperstadt.

Uelzen. „Als Kino-Fan sollte man sich glücklich schätzen, unterschiedliche Filme aus aller Welt zu sehen, die nicht immer ihren Weg in die kommerzielle Kinoauswertung schaffen und diese sogar mit ihren Machern diskutieren zu können“, beschreibt die Hamburger Kultursenatorin Barbara Kisseler den Sinn und Zweck der Hamburger Filmfesttage.

Der frühere HEG-Lehrer Dieter Schinkel (links) führte durch den Abend – hier mit Renate Böhm und Philippe Lesage.

Und auch die Uelzener Kino-Fans kamen am vergangenen Sonnabend in diesen besonderen Genuss, denn das Central-Theater wurde, wie schon im vergangenen Jahr unter dem Motto „Stadt, Land Filmfest“, als eine von drei Spielstätten außerhalb Hamburgs ausgewählt. Gezeigt wurde der Film „The Demons“ des kanadischen Regisseurs Philippe Lesage, der persönlich anwesend war, um dem Publikum im Anschluss an die Vorstellung bereitwillig alle Fragen zu beantworten. Mit Sophie Deraspe war spontan sogar noch eine weitere Regisseurin nach Uelzen gekommen, um den Film ihres kanadischen Kollegen anzuschauen. Deraspe, die 2006 mit ihrem Werk „Missing Victor“ für internationale Aufmerksamkeit sorgte, war mit ihrem dritten Spielfilm „The Wolves“ ebenfalls beim Hamburger Filmfest vertreten.

Für Kinobetreiberin Renate Böhm, die ihrer Spielstätte mit rotem Teppich und Fackeln ein ansprechendes Ambiente verpasst hatte, war dieser Abend ein ganz besonderer: „Ich bin jetzt seit 53 Jahren im Kinogeschäft und empfinde es als Auszeichnung, dass Uelzen erneut als offizielle niedersächsische Spielstätte ausgewählt wurde.“ Claudia Jäger, Organisatorin des Projektes „Stadt, Land Filmfest“, fand indes lobende Worte: „In Hamburg ist Uelzen hoch angesehen. Ohne Renate Böhm hätte das alles nicht diese Spannweite“.

Spontan hatte Regisseurin Sophie Deraspe ihren Kollegen Philippe Lesage nach Uelzen begleitet.

Die Uelzener wiederum nahmen das Angebot mit Interesse wahr: „Rund 200 Gäste in einem durchaus speziellen Thema, dazu noch eine zweistündige Spieldauer im französischen Original – das finde ich schon bemerkenswert“, so Böhm. Regisseur Philippe Lesage, der nach eigener Aussage seinen Film schon zu oft gesehen, von Uelzen hingegen noch nie etwas gehört hatte, nutzte die Zeit der Vorstellung für einen Ausflug in die Gastronomie. Sein Film, in dem der zehnjährige Felix von seinen Ängsten eingeholt wird, trage durchaus autobiographische Züge, gesteht der Kanadier im Gespräch mit der AZ: „Ich habe in dem Hauptcharakter meine eigenen Ängste und Erfahrungen verarbeitet.“ Den richtigen Schauspieler dafür zu finden, war keine ganz leichte Aufgabe: „Das war ein langer Prozess. 800 Kinder wurden insgesamt gecastet, aus dieser Gruppe heraus wurden dann auch die anderen Rollen besetzt.“

Vier Dokumentarfilme hat der Regisseur bislang gedreht, „The Demons“ ist sein erster Spielfilm, dem aber bereits 2016 ein weiterer folgen soll. „Inhaltlich wird es um eine erste Teenager-Liebe gehen“, verriet Lesage der AZ.

Von Oliver Huchthausen

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