Wegen neuer Regelungen „nicht mehr wirtschaftlich“ / Kreis lobt Engagement

Aus für Großtagespflegestelle „Regenbogen“

+
So oder so ähnlich werden die kleinsten Uelzener noch bis 31. Juli auch in der Tagespflege „Regenbogen“ betreut. Aufgrund erhöhter Standards und einer auslaufenden Übergangsfrist muss die Einrichtung aber schließen.

Uelzen. „Warum gibt es keine Übergangsfrist?“ Mit dieser Frage wandte sich unlängst ein alleinerziehender Vater an die AZ. Aus heiterem Himmel, so seine Einschätzung, müsse die Großtagespflegestelle „Regenbogen“ schließen.

Dabei leiste die Einrichtung wertvolle Arbeit, auch bei der Integration von Migranten, und plötzlich müssten Eltern nun eine Betreuungsalternative finden – oder sogar ein Elternteil seine Arbeit aufgeben.

Anita Thalacker

In der Großtagespflegestelle in der Hauenriede 19 werden seit acht Jahren rund 23 Kinder im Alter von einem Jahr bis fünf Jahren betreut. Darunter auch einige, die zu Eltern gehören, die nebenan bei der „Aktion Gemeinschaftssinn“ Sprach- und Integrationskurse besuchen. Es gibt eine Küche, einen Schlafraum, einen Toberaum und einen Spielraum. Die Leiterin Anita Thalacker beschäftigt in ihrem „Familien-Betrieb“ fünf Mitarbeiterinnen.

Aber künftig geht es so nicht weiter. Der Kreis pocht auf die Einhaltung gesetzlicher Regelungen. Denen zu Folge dürften maximal zehn Kinder im „Regenbogen“ betreut werden, bei einer festen Zuordnung zu einer Tagesmutter. Thalacker teilt der AZ hierzu mit, dass sie ihre Einrichtung unter diesen Bedingungen „nicht mehr wirtschaftlich“ betreiben könne. Sie hat zum 31. Juli gekündigt.

Während die Eltern von der Schließung wohl total überrascht wurden und sich eine Übergangsfrist wünschten, sei Anita Thalacker seit über zwei Jahren über die gesetzlichen Regelungen informiert, teilt Brigitte Lindenthal, Leiterin des Kreisjugendamtes mit. Zum Ende dieses Jahres aber laufe die Übergangsfrist, die der Landkreis mit ihr vereinbart habe, aus. Deswegen sei man sich auch keiner Schuld bewusst: „Die Standards haben sich erhöht und sie muss die Standards erfüllen. Wir haben nicht willkürlich gehandelt“, meint Lindenthal.

Man habe vielmehr, betont Lindenthal, über die Zeit immer wieder positive Gespräche geführt – mit dem „gemeinsamen Ziel, dass es weitergeht.“ Denn, so Lindenthal weiter: „Die pädagogische Arbeit steht nicht infrage. Vor dem, was Frau Thalacker geleistet hat, ziehe ich den Hut.“

Angestellte und Eltern wurden nach Auskunft des Kreises bei einem Informationsgespräch, zu dem Anita Thalacker eingeladen hatte, über alternative Betreuungsmöglichkeiten informiert.

Von Steffen Kahl

Kommentare