32-jähriger Uelzener würgt Freundin auf deren Wunsch – und ist wieder frei

Vom Rausch in den Tod

Tatort Teichweg in Stade: In dieser Wohnung fand die Polizei die Leiche der 44-jährigen Prostituierten. Archivfoto: Polizei

Uelzen. Es war zunächst ein ganz normales Geschäft in einem Uelzener Bordell an der Scharnhorststraße. Ein Kunde sucht eine 44-jährige Prostituierte auf, bezahlt und geht. Doch was mit einer normalen „Geschäftsbeziehung“ beginnt, endet in einer Katastrophe.

„Ich habe einen Mord begangen“, sagt der 32-Jährige, als er am 23. September 2011 auf die Uelzener Polizeiwache kommt. Und auch die „Aufarbeitung“ dieses vermeintlichen Verbrechens läuft schließlich ganz anders als Ermittler es sonst kennen. Jetzt das vorläufige Ende: Das Landgericht Stade hat den geständigen Mann wieder auf freien Fuß gesetzt – es sieht keinen dringenden Tatverdacht für einen Totschlag, und schon gar nicht für einen Mord.

Nach dem ersten Besuch hatte sich zwischen der Uelzener Prostituierten und dem Kunden eine Liebesbeziehung entwickelt. Er traf sich mit der Russin, von Bezahlung war keine Rede mehr. Der Ehemann der Frau, der sich zu dieser Zeit in Portugal aufhielt, wusste nichts von der Beziehung – und auch nichts davon, dass seine Ehefrau ihr Geld als Liebesdame verdiente.

Kurz vor jenem verhängnisvollen Septembertag zieht die 44-Jährige dann nach Stade um, um dort ihrem Gewerbe weiter nachzugehen. Der Uelzener besucht sie dort regelmäßig – auch am 23. September 2011. Stunden später ist die Frau tot, der 32-Jährige fährt zurück nach Uelzen, vertraut sich dort einem Bekannten an. Der rät ihm, zur Polizei zu gehen. Die Beamten finden wenig später die Leiche in der Stader Wohnung.

Die Obduktion ergibt, dass die Frau erwürgt wurde. Für die Polizei sind die Hintergründe zunächst unklar – bis der Verdächtige eine Einlassung macht. Seine Freundin habe sich gern durch Würgen stimulieren lassen, erklärt er den Ermittlern. Er selbst habe dies nicht so gerne gehabt, sie aber habe darauf bestanden, um in eine Art Rauschzustand zu kommen. Dann sei sie bewusstlos geworden. Er habe noch vergeblich eine Wiederbelebung versucht.

„Wir wissen natürlich, dass so etwas häufig als Schutzbehauptung gesagt wird“, betont Kai Thomas Breas, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stade. Doch man könne dem Verdächtigen nicht das Gegenteil beweisen. „Und Reanimationsversuche gab es tatsächlich, das ließ sich bei der Obduktion noch nachvollziehen.“

Die Staatsanwaltschaft erhebt dennoch Anklage wegen Totschlags – der 32-Jährige habe den Tod der Frau billigend in Kauf genommen, heißt es in der Begründung. Doch das Landgericht Stade spielt da nicht mit, es setzt den Haftbefehl vielmehr gegen strenge Auflagen außer Vollzug und lässt den Mann aus der Untersuchungshaft frei. Er muss seinen Pass abgeben und sich regelmäßig bei der Polizei melden. „Das Gericht sieht keinen dringenden Tatverdacht wegen Totschlags mehr gegeben“, sagt Staatsanwalt Breas.

Seine Behörde hat den Beschluss des Gerichtes nicht angefochten.

Ob es überhaupt zu einer Verhandlung kommen wird, ist ungewiss. „Vielleicht muss er sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten“, so Breas.

Von Thomas Mitzlaff

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