Sie bringen Farbe ins Spiel: Paintball-Freunde aus Kl. Süstedt und der Altmark möchten aufräumen mit Vorurteilen

Ein Rattern wie tausend Nähmaschinen

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Hochkonzentriert: Um nicht von Farbbällen getroffen zu werden, versuchen Paintball-Spieler stets, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Den Markierer halten sie eng und pfeilgerade am Körper. Gegen den Vorwurf von Kritikern, ihr Sport sei gewaltverherrlichend oder martialisch, wehren sie sich vehement.

Uelzen-Kl. Süstedt. Unter der Maske ist es stickig, sie beschlägt auch schon ein wenig. Jeden Augenblick folgt das Kommando zum Start. Es ist absolut still. Die Spieler hochkonzentriert. Das eigene Atmen ist die einzige Geräuschquelle.

Dann der extrem laute Aufschrei: „Go!“ Und sechs Maskierte stürmen in seltsam gebückter Haltung los, hechten hinter die aufblasbaren Deckungen.

Die Finger tanzen auf den Abzügen der Markierer. Die Spieler schnellen immer wieder aus den Deckungen hervor. Läufe und Masken blitzen auf. Klingt wie tausend aufgeblasene Papiertüten, die alle fast gleichzeitig platzen. Bis zu 30 Kugeln pro Sekunde schnellen mit rund 240 Stundenkilometern aus den Läufen. Das ist Paintball.

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Der Versuch, das Spiel mit der Videokamera zu verfolgen, ist anstrengend – viel anstrengender, als zunächst angenommen. Die gebückte, angespannte Haltung lässt die Muskeln zittern. Das Visier der Maske wird mit gelber Farbe gesprenkelt. Kugeln, die in der Nähe an einer Deckung aufgehen, sind der Grund. Noch immer ist da das Gewitter aus Pressluft, die die Kolben der Markierer wie Nähmaschinen rattern lassen. Für Ungeübte wild und kaum verständliche Kommandos werden herausgebrüllt. Wahrscheinlich Englisch. Schwer zu sagen, was sie bedeuten, aber die Spieler sind scheinbar gewöhnt an diese Form der Kommunikation, wechseln fast grazil die Deckung.

Ein Spieler ist getroffen, hebt seinen Markierer hoch in Luft und verlässt das Feld. Die Markierer rattern unaufhörlich. Ein weiterer Spieler ist getroffen. Jetzt heißt es zwei gegen einen. Von lauten Kommandos keine Spur. Kurze Handzeichen sind das Mittel der Wahl. Als dann schließlich der dritte Spieler der gegnerischen Mannschaft einen gelben Farbklecks abbekommt, ruft einer: „Game over!“ Die Markierer werden gesenkt. Kurze Verschnaufpause. Die Laufsocke, so nennen Spieler den Schutz vor versehentlich abgegebenen Bällen, wird über die Mündung gestülpt. Maske runter, durchatmen, Schweiß von der Stirn wischen. Gleich folgt das nächste Spiel. Die Hände zittern. Das ist pures Adrenalin.

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