Rathaus für „Am Funkturm“ und „Am Stadtgut“

Uelzen - Von Marc Rath. Bürgermeister Otto Lukat (SPD) erwartet, dass die Seebohmstraße und die Farinastraße zu Beginn des neuen Jahres umbenannt werden können. Die Verwaltung schlägt dem Stadtrat nunmehr die Namen „Am Funkturm“ (für Seebohm) und „Am Stadtgut“ (für Farina) vor.

Sie folgt damit dem Vorschlag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Für „Am Funkturm“ hatte sich auch eine Initiative von Geschäftsleuten aus der Seebohmstraße stark gemacht (AZ berichtete). Man habe bewusst Namen aus Feld, Flur und der näheren Umgebung gewählt, erklärt Lukat. Er schlägt damit einen anderen Kurs bei der Umbenennung ein, als etwa sein Celler Amtskollege und Parteifreund Dirk-Ulrich Mende. Der Oberbürgermeister aus dem Nachbarkreis setzt bei neuen Namen auf „den Mut der Politik“.

Unter den 50 Vorschlägen, die im Uelzener Rathaus eingegangen sind, befinden sich auch Namen des (lokalen) Widerstands gegen die nationalsozialistische Diktatur. Der Bürgermeister will diese Vorschläge in der Straßennamendiskussion jedoch ausklammern. „Ich halte das für eine Überforderung“, sagt er mit dem Blick darauf, „unter welch großer Anspannung“ die Stadtpolitik Seebohm und Farina wegen ihrer umstrittenen Rolle während der NS-Zeit das Namensrecht aberkannt hatte: „Damit ist auch ein wichtiger Schritt mit der Auseinandersetzung über die Vergangenheit getan.“ Dies sei auch kein Signal des Schweigens, unterstreicht er. Die Stadt habe in der Region frühzeitig Opfern des Nationalsozialismus in verschiedenster Form gedacht. Der Kulturausschuss berät die Umbenennung am 11. November, der Stadtrat entscheidet dann am 13. Dezember. Parallel dazu behandelt die Politik auch die „Stolperstein“-Initiative, mit der Opfern der Nazi-Herrschaft gedacht werden soll. „Hier gibt es schon erste Meldungen“, freut sich der Bürgermeister über die Bereitschaft aus der Bevölkerung, für die Finanzierung von Messingplatten aufzukommen, die vor dem letzten frei gewählten Wohnsitz der Verfolgten eingelassen werden.

Die Stadt wird den Anwohnern der Farinastraße die Gebühr für die Umschreibung ihres Personalausweises erlassen. Für andere Kosten könne das Rathaus jedoch nicht aufkommen. Das gilt auch für die Unternehmen in der Seebohmstraße. Da die alten Straßenschilder jedoch noch ein Jahr lang hängen bleiben werden, will Lukat so ein langsame und anwohnergerechte Übergangssituation schaffen.

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