Polizisten ziehen Verkehrssünder mit dem PPS-Wagen aus dem Verkehr

Rasern auf den Fersen

Andreas Schulz zeigt dem Biker auf dem Bildschirm an der kleinen Mittelkonsole, wie er gefahren ist. Fotos: Hasse

Uelzen/Landkreis. Etwa 250 PS haben Stefan Gust von Loh und Andreas Schulz unter sich, als sie in ihren PPS-Wagen einsteigen.

PPS steht für „Police Pilot System“, und was sich, simpel gesagt, dahinter verbirgt, ist ein schneller, aber unauffälliger Wagen mit Kamerasystemen vorn und hinten. Mit diesem Wagen fahren Gust von Loh und Schulz durch den Landkreis, versuchen, Raser zu erwischen und sie zur Räson zu bringen. Dabei beschränken sie sich auf die klaren Fälle: Wer beispielsweise 126 und schneller fährt, wo 100 erlaubt ist, ist dran.

Die beiden POKs – Polizeioberkommissare – sind im Spätdienst unterwegs, es ist Nachmittag, der Dienst wird noch bis 22 Uhr gehen. Und auf der B 4 ist es ruhig. „Manchmal zieht sich das“, sagt Gust von Loh. „Man kann manchmal den ganzen Tag fahren und hat nur eine Messung“, meint Schulz, „und dann hat man manchmal eine Messung nach der anderen.“ Dabei könne man das zu schnelle Fahren nicht an bestimmten Fahrzeugen oder Menschen festmachen. Raser gäbe es letztlich quer durchs Beet – das wird der Tag bestätigen.

Der erste Raser von dem PPS-Wagen ist ein silberner Mazda. Die Beamten verfolgen den Wagen über den Suderburger Kreisel bis nach Breitenhees. Danach führt sich der Leuchtschrift-Zug im Heck des Wagens hoch. Erwischt haben die beiden Männer einen Mann in seinen 30-ern, dem das alles sichtlich unangenehm ist. Geduldig schaut er sich den Film an, den die Bordkamera des BMW der Polizisten gemacht hat. Ihn erwartet Post in den kommenden Wochen. Mit 139 km/h war er unterwegs, ohne Abzug der Kulanz und Anzeige. Er wird vermutlich 120 Euro zahlen müssen und bekommt drei Punkte. Er gibt sich reumütig: „Ich war zu schnell. Ich bin auf dem Weg zu einem Konzert und bin vermutlich zu euphorisch gewesen“, sagt er. Sein Ziel ist ein Konzert von Bruce Springsteen. Und er sagt: „Ich habe auch keine Ausrede, ich will gar nicht behaupten, immer alles im Griff zu haben.“ Und er sagt: „Es ist ganz gut, mal ermahnt zu werden.“

Bei Stefan Gust von Loh erntet der Mann eine gute Kritik: „Das ist einer, der es nicht zu häufig macht“, meint der Polizist. Die nächste Messung haben die beiden POKs an der Uelzener Umgehungsstraße. Einen älteren Motorradfahrer ziehen sie aus dem Verkehr. Mit 25 km/h zu viel haben sie ihn gemessen. Der Mann, ein Hesse auf einer Harley, macht gut Wetter: Er lächelt, sagt „machen Sie’s gnädig“ und meint, es tue ihm leid. „Aber ich rase ja auch net, ich bin gemütlich langgefahren“, meint er. Dass er kein übertriebener Raser sei, da beruhigt ihn Gust von Loh, aber die Pflicht muss sein: Die Personalien werden aufgenommen, der Mann wird einen Punkt bekommen. Der Biker war auf dem Weg nach Fehmarn, wo er ein Schiff hat, es sollte ein schöner Urlaub werden mit einer gemütlichen Fahrt auf dem Motorrad. Und hat er ein schlechtes Gewissen? „Ich muss mich in keiner Weise schämen“, sagt er, „das ist doch eine total ausgebaute Straße, fast wie eine Autobahn. Ich habe niemanden gefährdet“ – nur auf das Tacho habe er eben nicht genau geachtet. „Dann zahle ich halt, und Ende“, meint er noch, steigt wieder auf. „Die Route 66 ist jetzt Hessen – Fehmarn“, sagt darauf Gust von Loh im Auto.

Die beiden waren noch vergleichsweise harmlos. Es gibt ganz andere Fälle. „Manchmal hat man halsbrecherische Fahrer, um da hinterher zu kommen, muss man abgebrüht sein“, meint Gust von Loh“. „Aber auch vernünftig genug, um zu sagen: Wir brechen ab“, ergänzt Schulz.

Die beiden Beamten fahren schließlich auf die L 233 zwischen Ebstorf und Melbeck. Gust von Loh lauert auf eine Frau, die hinter ihm fährt und Anstalten macht, aggressiv zu überholen. „Die ist recht sportlich unterwegs“, sagt Gust von Loh abwartend. „Mit einem Seat?!“ fragt Schulz zweifelnd. Dann überholt die Frau. Sie gibt Gas. Gust von Loh auch, der starke Motor dreht auf, die Beschleunigung drückt die Insassen in die Sitze. Die Frau legt sich in die Kurven, der Tacho erreicht zeitweise 145 oder 150 km/h. Kurz vor Melbeck stoppen die Beamten sie. Die Frau, etwa 35, ist genervt. Sie sieht sich den Film an, nimmt ihre Papiere zurück, will sofort weiter.

„Ja, ich werde besser aufpassen“, meinte sie noch kurz angebunden, „aber ich bin sehr in Zeitnot.“ Dann steigt sie ohne weitere Worte ein, fährt weiter. Die Beamten ziehen Bilanz: Vermutlich werde ein Fahrverbot von einem Monat herauskommen. „Manchmal fehlt das Unrechtsbewusstsein vollkommen“, meint Schulz. Er hat sich in seiner Laufbahn zu viele Ausreden anhören müssen. „Die sagen, sie hätten alles im Blick und wären jederzeit bremsbereit“, meint er. „Aber Kradfahrer mit 200 auf der Ortsumgehung, mit dem Knie kurz über der Straße in der Kurve, das können die mir nicht erzählen“, meint er. „Ich habe auch schonmal erlebt, dass die Leute herzergreifend weinen“, sagt er, und manche Geschichte könne er durchaus nachvollziehen.

Nicht nachvollziehbar sei, wenn jemand mit 160 über die Ortsumgehung fährt und mit fast 100 durch den Ort brettert. Als die Beamten so einen mal aus dem Verkehr gezogen hatten, sagte der: „Ich habe mich verfolgt gefühlt“. Ein BMW-Fahrer sagte: „Ich dachte, das ist ein kleines Rennen unter BMW-Fahrern.“

Von Kai Hasse

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