„Wonach genau gefragt wurde...

Prüfbericht zur Vertragsaffäre mit dem Citymanagement: WFG gerät unter Druck

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Frage anders interpretiert: Markus Schümann (l.). Schweigt laut Prüfer zur Affäre: Joachim Lotz.

Uelzen. In der Vertragsaffäre um das Uelzener Citymanagement gerät der zurückgetretene Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG), Markus Schümann, durch einen Prüfbericht einer Hannoveraner Wirtschaftskanzlei unter Druck.

Nach diesem Bericht hat Schümann den Aufsichtsrat der WFG zur Frage von Gläubigern, die noch Ansprüche bei Uelzens damaligen Citymanager Joachim Lotz haben, auf einer Sitzung am 17. Februar 2016 falsch informiert. Allerdings bestünden zwischen Aufsichtsrat und Geschäftsführung auch „unterschiedliche Auffassungen, wonach genau gefragt wurde“.

Uelzens früherer Citymanager war über die WFG aus Steuergeldern in Höhe von 2500 Euro monatlich entlohnt worden, das Geld floss als Auftragspauschale an seine Schimmel Papeterie GmbH&Co KG. Als diese im Mai 2013 Insolvenz anmeldete, war Lotz in der Folgezeit für nur 450 Euro als Citymanager tätig. 2016 dann sollte wieder die volle Bezahlung fließen, 450 Euro an Lotz persönlich, die restlichen 2050 Euro an eine Unternehmergesellschaft (UG), die Ehefrau Martina Lotz gegründet hatte.

Für den Aufsichtsrat stellte sich daraufhin die Frage, ob durch dieses Vertragskonstrukt Gläubiger ausgehebelt würden. „Die Frage nach dem Vorliegen einer Privatinsolvenz und weiteren Gläubigern (...) wurde von den Aufsichtsratsmitgliedern gestellt. Beide Fragen wurden von der Geschäftsführung mit Nein beantwortet“, stellen die Wirtschaftsprüfer dazu in einem Bericht fest, der jetzt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Und weiter: „Alle Aufsichtsratsmitglieder hätten nach eigener Darstellung den Vertrag nicht abgeschlossen, wenn diese Frage bejaht worden wäre.“

Schümann antwortet mit Nein, obwohl ihm laut Prüfbericht „die Gläubiger des Citymanagers (....) bekannt waren“. Gegenüber den Prüfern erklärte Schümann nunmehr, er sei davon ausgegangen, dass sich die Frage nach Gläubigern nur auf ungeregelte Forderungen bezog und nicht auf Forderungen, über die mit Gläubigern bereits eine Einigung hinsichtlich der Tilgung erzielt worden sei.

Der Aufsichtsrat habe keine Pflichtverletzung begangen, so der Prüfbericht: „Er konnte auf die Vollständigkeit und Korrektheit der Informationen der Geschäftsführung vertrauen.“ Der Aufsichtsrat selbst teilte mit, man bedaure dennoch „ausdrücklich die getroffene Entscheidung“.

Joachim Lotz und Markus Schümann waren nach Bekanntwerden des Vertragskonstrukts zurückgetreten. Auf AZ-Nachfrage, wer dieses Modell erarbeitet habe, hieß es vom Aufsichtsrat, es habe sich um eine Beratungsvorlage für die Aufsichtsratssitzung gehandelt. Diese würden „von der Geschäftsführung vorbereitet“.

Von Thomas Mitzlaff

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