Prozess in nächster Runde

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Das Methadon-Verfahren, das die 2. Große Strafkammer am Landgericht Lüneburg 17 Monate lang beschäftigt hat und das mit einer zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten für den Uelzener Allgemeinmediziner endete (AZ berichtete), ist noch nicht vom Richter-Tisch.

rast Uelzen/Lüneburg. Das Methadon-Verfahren, das die 2. Große Strafkammer am Landgericht Lüneburg 17 Monate lang beschäftigt hat und das mit einer zur Bewährung ausgesetzten Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten für den Uelzener Allgemeinmediziner endete (AZ berichtete), ist noch nicht vom Richter-Tisch.

Sowohl der 44-jährige Mediziner als auch die Staatsanwaltschaft haben noch vor Ablauf der Frist Revision eingelegt, das bestätigen der Verteidiger Eike Waechter und Staatsanwaltschafts-Sprecherin Angelika Klee. Nun wird sich der Bundesgerichtshof in die Thematik einarbeiten müssen. Die Lüneburger Richter hatten – erstmals in einem deutschen Methadon-Prozess – die Grenzen zur Strafbarkeit abgesteckt. Und da sahen sie von den zunächst angeklagten rund 1000 Fällen lediglich in 49 Fällen eine unerlaubte Abgabe von Betäubungsmitteln.

Dabei hatte der 44-Jährige Methadon an „Boten“, also nicht direkt an die Patienten, ausgehändigt. Zusätzlich zu der Bewährungsstrafe verhängte die Strafkammer ein Berufsverbot von drei Jahren, das sich allerdings auf den Bereich der Substitution beschränkt. Es ist ein Urteil, das der Staatsanwaltschaft nicht schmeckt. Diese hatte eine Haftstrafe von vier Jahren gefordert, aus ihrer Sicht sind 362 Fälle des unerlaubten Verschreibens, 55 der unerlaubten Abgabe und drei des unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln bewiesen. Verteidiger Eike Waechter stellte bereits in seinem Plädoyer den Mediziner dar als „Arzt, der zum Wohle seiner Patienten und nicht als staatlicher Aufpasser“ gehandelt habe, berief sich auf die sogenannte Therapiefreiheit der Ärzte und fordert nun auch vor dem Bundesgerichtshof einen Freispruch.

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