„Chef, auf dem Flur steht ein Auto“

Prozess um „Blechsalat“ in und vor einem Restaurant

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Nur noch Schrott ist das Auto des 20-Jährigen nach dem Aufprall an der Wand des Restaurants in Holdenstedt.

Uelzen. „Ich habe nur noch die Wand auf mich zukommen sehen und gedacht, ,jetzt ist es aus’“, schilderte der 20 Jahre Angeklagte vor dem Amtsgericht Uelzen. Die Wand, das war der Eingang des Restaurants Holdenstedter Hof.

Dass der Unfall am Ende noch einigermaßen glimpflich ausging, war das nachträgliche Weihnachtgeschenk des Jahres 2015 für alle Beteiligten.

Den 27. Dezember des vergangenen Jahres werden der Angeklagte, die Zeugen und damaligen Gäste des Restaurants so schnell nicht vergessen. Es ist 19.55 Uhr, als der junge Mann vom Ortsteil in Richtung Uelzen fährt. Vor ihm ein Auto. Der junge Fahrer will überholen, übersieht aber, dass der Vordermann den Blinker links gesetzt hat. Vor dem Restaurant will er abbiegen. Der 20-Jährige rauscht in den Pkw und schleudert den Wagen vor ihm auf den Parkplatz der Restauration, dort rammt das Auto eine weitere Blechkarosse. Der Verursacher kracht in den Restaurant-Eingang. Dazu kommt: Der junge Mann war mit 1,7 Promille Alkohol im Blut unterwegs. „Sie haben wahnsinniges Glück gehabt, dass nicht noch Schlimmeres passiert ist, sonst säßen Sie heute ganz woanders“, sagt Richterin Dr. Claudia Hagemann.

Kurz vor dem Unfall hatten sich noch Leute im Eingangsbereich des Holdenstedter Hofs aufgehalten, weiß Koch und Betreiber Marco Bernotat. Er habe am Herd gestanden, als sein Lehrling in die Küche stürmt: „Chef, es hat gerumst.“ Dahinter kommt eine Servicekraft: „Chef, auf dem Flur steht ein Auto.“ Er habe es erst gar nicht glauben können, schildert der Gastronom als Zeuge vor Gericht. „Ich bin dann raus und habe nachgeschaut.“ Das Auto habe die Blumenkübel vorm Eingang zerlegt. „Wenn die dort nicht gewesen wären, hätte der Wagen wohl in der Bauernstube gestanden“, berichtet Bernotat. Die Gäste seien mittlerweile vor dem Restaurant gewesen.

Der Angeklagte habe am ganzen Körper gezittert und um ein Glas Wasser gebeten. Die Schäden am Gebäude hätten sich unterm Strich auf rund 5000 Euro summiert. „Für den Einschlag ging das noch“, so der Koch. Der Angeklagte sei wenige Tage nach dem Crash bei ihm gewesen und habe sich entschuldigt.

Rund 14000 Euro Schaden hatte der 59 Jahre alte Justizvollzugsbeamte zu verzeichnen, in dessen Auto der Wagen, der von Straße katapultiert worden war, krachte. „Ich habe sofort gerochen, dass der Fahrer eine Alkoholfahne hatte“, gab er an. Irgendwelche Ausfallerscheinungen habe er beim Angeklagten nicht feststellen können. Der 20-Jährige selbst sagte, dass er sich gut gefühlt habe, als er sich von seiner Freundin auf den Weg gen Uelzen gemacht habe. „Das ist schon eine Leistung, bei 1,7 Promille nichts zu merken“, kommentierte die Richterin mit bitterer Ironie.

Glück für den Angeklagten, dass die Einzelrichterin beim Urteil noch auf das Jugend-Strafrecht zurückgriff. Der Staatsanwalt wollte den Fall nach Erwachsenen-Strafrecht aburteilen. Am Ende warf die Richterin für die Trunkenheitsfahrt samt gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr eine Geldstrafe von 1000 Euro aus. Den Führerschein ist der junge Mann weitere acht Monate los. Und seine Kfz-Haftpflichtversicherung, die die Schäden reguliert hat, verlangt 5000 Euro von dem Mitarbeiter einer Waschanlage.

Von Jens Schopp

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