Jugendliche lernen von Polizisten und Busfahrerin sicheres Pendeln zur Schule und zurück nach Hause

Polizei warnt Schüler: „Keine Selfies auf den Gleisen!“

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Jeder Schüler durfte mal „Boss im Bus“ sein – und bekam die Gefahr des „toten Winkels“ erklärt.

Uelzen. Die Schüler mussten sich einiges merken: Am Bahnsteig immer hinter der weißen Linie bleiben, damit die Sogwirkung eines durchfahrenden ICEs sie nicht umreißt.

Detlef Moors von der Bundespolizeiinspektion Bremen, die auch für Uelzen zuständig ist, erklärte unter anderem, warum man besser an Gleisen keine Pokemons jagt und es beachtet, wenn an Gleisen die Schranken unten sind. Hier mit Schülern der 5e vom LeG.

Nicht auf die Oberleitungsmasten klettern, weil schon die Nähe zu den Oberleitungen mit ihren 15 000 Volt Spannung gefährlich sei und sie im schlimmsten Fall gegrillt würden – „wie ein Brathähnchen“. Und in Bezug auf aktuelle Trends: „Keine Selfies auf den Gleisen – und auch keine Pokemons in der Nähe von Gleisen jagen!“ Beides, so Detlef Moors, Verkehrsbeauftragter bei der Bundespolizei, sei eher eine „Blöd-Probe“ als eine Mutprobe.

Die Schüler der 5c vom Lessing-Gymnasium lauschten Moors’ Sicherheitshinweisen und Erklärungen zum richtigen Verhalten am Bahnsteig und in der Bahn gestern Vormittag sehr aufmerksam. Und: Sie konnten zu manchem Hinweis des Beamten von der Bundespolizeiinspektion Bremen, die für weite Teile Norddeutschlands und auch für Uelzen zuständig ist, eigenes Wissen ergänzen.

Beispielsweise, als der Polizist klarstellte, dass Gleise nie an wilden Bahnübergängen überquert werden sollten – auch nicht, wenn es Erwachsene vormachten. Oder dass auch vermeintlich harmlose Gegenstände nie von Brücken auf Autos oder Züge geworfen werden dürften. Kürbisse, Milchtüten oder Papier – all dies habe schon zu schweren Unfällen geführt, so Moors. Und eine Schülerin ergänzte, dass schon ein Wassereis reiche, um eine Autoscheibe zu zerstören – das habe sie im Fernsehen gesehen.

Neben den Sicherheitshinweisen wurden die Schüler auch darauf aufmerksam gemacht, was zum ordnungsgemäßen Gebrauch von Zügen noch gehöre: Vom Ticketkauf über Hinsetzen und Festhalten zu dem Verzicht auf Alkohol und Zigaretten in den Zügen der Metronom-Eisenbahngesellschaft, die diese Schulung mit Fahrkarten unterstützte.

Aber auch in Sachen Busfahren wurden die Fünftklässler gestern schlauer: Hier waren es Mitarbeiter von Polizei und Busunternehmen, die die Neun- bis Elfjährigen unterrichteten. Beispielsweise machte Busfahrerin Kerstin Linke allen Kindern klar, was der „tote Winkel“ ist und dass sie deswegen besonders vorsichtig sein müssten. Hierzu durften die Schüler alle mal Busfahrer sein – oder auch „Boss im Bus“.

Spektakulär und wohl Höhepunkt des Trainings war eine Vollbremsung des Busses bei 30 Stundenkilometern. Container „Max“, ein zur Hälfte mit Wasser gefüllter Behälter, musste herhalten, um zu zeigen, was mit einem Schüler passiert, der sich im Bus nicht festhält: Bei der Bremsung fegte „Max“ dann von ganz hinten nach ganz vorne und die Schüler der 5c waren einerseits beeindruckt – „Oh! Max ist nach ganz vorne geflogen!“ – andererseits fanden sie das Experiment von Michael Mützel, Mitarbeiter der RBB in Braunschweig, auch „richtig cool“ und riefen „noch mal, noch mal!“

Der Gebrauch der Notfallhämmer, die Berechnung von Reaktions- und Bremswegen, dass man Ranzen im Bus absetzt und unter den Sitzen verstaut, keinen Müll macht und alles sauber und heil lässt – auch hier waren die Hinweise der Experten zahlreich.

Dass sie etwas bringen, erlebt Busfahrerin Linke seit Jahren in der täglichen Arbeit. Die Schüler seien durch die seit vielen Jahren mit dem Lessing-Gymnasium und neuerdings auch mit dem Herzog-Ernst-Gymnasium durchgeführte Veranstaltung grundsätzlich „auf Linie“. Eine Idee zur Verbesserung hat sie trotzdem: „Die Schulung könnte gelegentlich wiederholt werden.“

Von Steffen Kahl

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