Uelzener Verein fordert Katzenschutzverordnung / Tierheim am Kuchteichweg völlig überfüllt

„Politik kommt nicht aus"m Knick“

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Uelzener Verein fordert Katzenschutzverordnung.

Uelzen. „Ich könnte irrsinnig werden. “ – Der Satz fällt immer wieder. Karin Rothe, Vorsitzende des Tierschutzvereins Uelzen, erzählt von ihren täglichen Erlebnissen, mit den „uneinsichtigen Tierfreunden“, die ihrem „Kater doch seinen Spaß lassen wollen“, und von den Hilferufen landwirtschaftlicher Betriebe, die auf ihren Höfen Katzen entdeckten, die einen „ganz dicken Bauch“ hätten.

Der Verein habe sich den Tierschutz auf die Fahne geschrieben, sagt Rothe, wolle damit ausgesetzten, misshandelten und hilfsbedürftigen Katzen Chancen geben. Der Verein stoße jedoch an seine Grenzen, weil die Tiere, vor allem in freier Wildbahn, sich schneller vermehren, als der Verein mit Kastrationsaktionen unnötiges Leid verhindern könne.

Wer dieser Tage das Tierheim besucht, dem ist schlagartig klar, was Rothe meint. Im Heim gibt es Platz für 23 Katzen, versorgt werden momentan jedoch 64 Tiere. Viele davon sind noch Welpen, die um ihr Leben kämpfen, weil sie durch Vorerkrankungen der Mutter geschwächt auf die Welt kamen oder völlig ausgemergelt, dem Tode schon nahe, aufgefunden wurden. „Wir versuchen hier alles, schaffen es doch nicht immer“, meint Kristin Zangi, die im Heim für Katzen zuständig ist. Gerade gestern sei ein Kleines umgekippt, alle Fürsorge und medizinische Hilfe hätten nicht mehr geholfen. In einem Quarantänekäfig muss derweil ein kleiner rotgetigerter Genosse mit großen blauen Augen ausharren. Mit seinen Stimmchen macht „Eddi“ auf sich aufmerksam – das Schicksal des Tieres ist noch unbestimmt. Es sind all diese Geschichten, die Karin Rothe und Kristin Zangi so wütend machen, weil sie wissen, dass sie mit all ihrer Kraft das Leid nur lindern, aber nicht gänzlich verhindern können. Dafür gibt es aus Sicht der Vorsitzenden nur eine Möglichkeit: „Eine Kastrationspflicht für alle freilaufenden Katzen und Kater“. Eine Katzenschutzverordnung als gesetzliche Bestimmung könnte diese Pflicht beinhalten, „aber die Politik kommt nicht aus’m Knick“, schimpft Rothe.

Landesinitiativen gibt es dazu schon, auch in Niedersachsen. Doch umgesetzt ist noch nichts – so ist weiterhin damit zu rechnen, dass ganze Katzen-Würfe, wie jüngst in Bad Bodenteich geschehen, einfach ausgesetzt würden. „In einen Pappkarton waren die Würmchen im Seepark ausgesetzt worden“, berichtet Rothe: Dass Tiere bereits im Alter von sechs Monaten trächtig werden und mehrmals im Jahr werfen könnten, wüssten viele Besitzer gar nicht. Was das für wilde Katzen bedeute, lasse sich erahnen. 200 bis 250 Kastrationen, je 100 Euro teuer, veranlasse das Tierheim jährlich. Mit einer Katzenschutzverordnung hätte man zumindest gegen uneinsichtige Besitzer eine Handhabe, da das Ordnungsamt Bußgelder verhängen könnte, sagt Rothe. So wisse sie: Es bleibe ein Anlaufen gegen Windmühlen.

Von Norman Reuter

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