Stadt will eine Lösung hinauszögern – und verärgert Jabelmannhallen-Betreiber

Pokern um die Stadthalle

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Fühlt sich von der Stadt im Stich gelassen: Ulrich Gustävel (l.), hier bei den Aufbauarbeiten des Open R 2016.

Uelzen. Die Uelzener Stadthalle soll zum Jahresende geschlossen werden – so sieht es ein gültiger Beschluss des Stadtrates vor.

Dass man im Rathaus den Deckel dieser Akte jetzt doch wieder öffnete und der Politik verschiedene Zukunftsmodelle für die Einrichtung vorlegt, sorgt beim Betreiber der zweiten Uelzener Veranstaltungshalle, Ulrich Gustävel, für Fassungslosigkeit. Denn der 51-Jährige verhandelt schon seit mehr als einem Jahr mit der Stadt über eine Kooperation und Verlagerung der Veranstaltungen von der Stadt- in die Jabelmannhalle. Ein fertiges Konzept liegt auf dem Tisch. Dass diese Gespräche jetzt auf Eis gelegt wurden, hat Gustävel aus der AZ erfahren.

Bereits seit Anfang 2015 gibt es in der Stadthalle keinen Pächter mehr, der Hotelbetrieb ist ebenfalls stillgelegt. Die Stadt vermietet den Saal über eine Tochtergesellschaft für Veranstaltungen, aber auch an eine private Tanzschule – zu welchen Konditionen, war diese Woche aus dem Rathaus nicht zu erfahren. Offenbar gibt es keine einheitlichen Preislisten.

Bislang galt als bevorzugte Variante, dass das marode Gebäude abgerissen und auf dem Gelände ein Behördenzentrum mit neuem Kreishaus, Polizeigebäude und womöglich auch Mahngericht entstehen könnte. Doch jetzt bringt die Verwaltung die Möglichkeit ins Gespräch, die Stadthalle für einen Zeitraum von höchstens fünf Jahren weiter zu betreiben. Dazu müssten zunächst rund 65.000 Euro für eine provisorische Instandsetzung bezahlt werden. Die laufenden Kosten beliefen sich zusätzlich auf jährlich rund 120.000 Euro. Bei einer Kooperation mit der Jabelmannhalle wären für die Stadt laut Gustävel nur jährlich 36.000 Euro fällig.

„Die reiten ein totes Pferd “

Ulrich Gustävel im oberen Stock der Jabelmannhalle. Bei einem Ausbau hätte die Halle 2000 Quadratmeter Nutzfläche.

Am gestrigen Mittwoch strömten hunderte Schüler zur Ferienfete. Am Freitag feiert das Lüneburger Johanneum seinen Abschlussball. Die Woche darauf hat sich Uelzena zur Vollversammlung angesagt, vergangene Woche traf sich die Volksbank zur Vertreterversammlung. Dazu kommen in diesem kulturelle Leckerbissen wie der dreitägige Variete-Palast und das Konzert von Nena – die Uelzener Jabelmannhalle ist gut ausgelastet mit Veranstaltungen verschiedenster Art. Und Betreiber Ulrich Gustävel hat noch ganz andere Pläne in der Schublade: Den Ausbau der oberen Hallenetage mit zwei Sälen im Loftcharakter, die sowohl für Festveranstaltungen als auch für Seminare mit modernster Technik ausgestattet sind.

Als sich abzeichnete, dass die marode Stadthalle zum finanziellen Fass ohne Boden für die Stadt Uelzen werden würde, trat Gustävel an Politik und Verwaltung heran und machte ein Kooperationsangebot im Rahmen einer Öffentlich Privaten Partnerschaft (ÖPP). „Alle würden profitieren: Die Stadt würde Kosten sparen und sie hätte Planungssicherheit“, schildert Gustävel.

Das Konzept, das er nach vielen Gesprächen mit der Stadt erarbeitet hatte, sah zunächst vor, dass die Stadt die Jabelmannhalle für sechs Tage im Monat fest nutzen darf. „Irgendwann hieß es dann, sie bräuchten nur drei Tage im Monat und wir haben das Gesamtkonzept dann auf 3000 Euro Miete im Monat verändert“, schildert der Veranstalter.

Zwischenzeitlich seien auch die SPD und die UWG in der Jabelmannhalle gewesen und hätten sich angetan gezeigt von dem Vorhaben. Doch jetzt erfährt Gustävel aus der Zeitung, dass die Stadtverwaltung andere Pläne hegt, die Stadthalle noch einige Jahre am Leben erhalten will – Kosten mindestens 120 000 Euro pro Jahr. „Abgesehen vom Umgang miteinander ist dieses Vorhaben für mich nicht nachvollziehbar, die reiten ein totes Pferd weiter“, sagt Gustävel.

Von Thomas Mitzlaff

Kommentar

Kopf- und planlos 

Von Thomas Mitzlaff

Thomas Mitzlaff

65.000 Euro für eine notdürftige Flickschusterei, danach jährliche Kosten von rund 120.000 Euro – so will man im Rathaus die Stadthalle noch irgendwie am Leben halten. Parallel dazu lässt man den Betreiber der Jabelmannhalle durch die kalte Küche abblitzen. Abgesehen davon, dass der Umgang miteinander ein anderer sein sollte, offenbaren diese Vorgänge ein Problem: Die Stadt schlingert in Sachen Veranstaltungshalle völlig planlos hin und her. Kein Konzept, keine Strategie, stattdessen kopflose Hinhaltetaktik. Man will es sich mit niemandem verderben. Lässt man die Stadthalle noch fünf Jahre laufen, ist man mindestens eine halbe Million Euro ärmer – und keinen Schritt weiter als heute.

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