Die Bahn baut Uelzen-Stendal aus – und in Veerßen hofft man auf Verkehrs-Erleichterungen

Das Pokern um die Brücken

Spektakuläre Brückenbauwerke am Veerßer Bogen: Oben die B 71, in der Mitte die ICE-Strecke Hamburg-Hannover, unten die alte Amerikalinie Uelzen-Stendal, für die die Bahn wenige Meter weiter ein zweites Gleis bauen will. Archivfoto: Ph. Schulze

Uelzen-Veerßen. Die Bahnstrecke Uelzen-Stendal steht unmittelbar vor dem zweispurigen Ausbau.

Und während Reisende hoffen, dass die Verbindung in Richtung Magdeburg und Berlin dann weiter aufgewertet wird, setzen die Anlieger im Ortsteil Veerßen darauf, dass sie im Zusammenhang mit den Bauarbeiten gleich vom landwirtschaftlichen Verkehr entlastet werden, der derzeit mit schwerem Gerät durch ihr Dorf rollt.

Derzeit fahren die Landwirte von ihren Betrieben in der Veerßer Feldmark mit tonnenschweren Fahrzeugen mitten durchs Wohngebiet unter anderem über die Parkstraße und den Krempelweg, um zu Feldern außerhalb der Feldmark oder anderen Betrieben zu gelangen. Jetzt aber baut die Bahn einen neuen Schienenstrang durch Veerßen unter anderem über den Sportplatzweg, damit Züge aus Richtung Stendal sich künftig direkt auf die Schnell-strecke Hannover-Hamburg einfädeln können und nicht mehr den Umweg über die Nebengleise im Uelzener Bahnhof machen müssen. Für den Sportplatzweg, der für Fahrzeuge wenige Meter später endet, plant die Bahn deshalb eine Brücke. Kosten: rund 590 000 Euro.

Doch dieses Bauwerk will vor Ort eigentlich keiner so gerne. Kommunalpolitik und Stadtverwaltung haben vielmehr Alternativen erarbeitet – mit dem Ziel, den landwirtschaftlichen Verkehr aus Veerßen herauszubekommen. So sieht ein Vorschlag vor, die Feldmark von der Bundesstraße 71 (Uelzen-Hansen) aus anzuschließen. Von der B 71 würden die Traktoren abbiegen und über einen Feldweg bis zur Bahnlinie Hamburg-Hannover fahren. Dort müsste dann eine Brücke gebaut werden, der Weg darüber würde dann ebenfalls in die Veerßer Feldmark führen.

Das Problem: Die Baumaßnahme würde rund 1,9 Millionen Euro kosten. Deshalb versucht die Stadt, der Bahn das Projekt durch weitere Zugeständnisse schmackhaft zu machen: Die so genannte „Becker-Brücke“, die in Veerßen ebenfalls über die Bahnstrecke Uelzen-Stendal führt und die marode ist, bräuchte die Bahn nicht mehr zu sanieren und für Schwerverkehr fit zu machen. Ein weiterer Bahnübergang in Veerßen könnte geschlossen werden. Und nicht zuletzt müsste eine Holzbrücke der Stadt über die ehemalige Amerikalinie ebenfalls nicht mehr saniert werden.

Die Deutsche Bahn AG und die Stadt Uelzen hatten sich kurz vor Weihnachten zusammengesetzt, „die Bahn will jetzt unsere Alternative durchrechnen“, erklärt Baudezernent Karsten Scheele-Krogull.

Die Zeit drängt: Spätestens im Oktober soll der Ausbau der Trasse Uelzen-Stendal beginnen, zuvor müssen bis Juni die Aufträge vergeben worden sein. Die so genannte „Veerßer Kurve“ soll dann Ende 2013 fertiggestellt sein.

Die städtische SPD legte derweil gestern einen weiteren Vorschlag auf den Tisch: Die Landwirte könnten über die alte Bundesstraße 4 fahren und dann zwischen Uelzen und Holdenstedt in die Feldmark abbiegen. Geschätzte Kosten: rund 200 000 Euro. „Das wäre eine deutlich günstigere Alternative“, sagt Ratsherr Herwig Maaß.

Die SPD hofft darauf, dass die Bahn dann angesichts dieser günstigen Lösung der Stadt etwas mehr Geld als benötigt überweist – das könne man dann als „Schuldentilgung“ nutzen, heißt es in dem Antrag der Sozialdemokraten an die städtischen Gremien.

Von Thomas Mitzlaff

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