Nach Eröffnung der Ortsumgehung: Kirchweyher genießen neues Lebensgefühl in der Sackgasse

Und plötzlich herrscht Ruhe...

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Marc und Robert Pfeiffer (von links) können sich endlich auf dem Rasen vor dem Haus in die Sonne setzen, sagen sie. Jannis Drewes traut sich auf dem Grundstück daheim Fußball zu spielen und sein Großvater Jürgen Wenzel genießt die Ruhe an der Straße.

Uelzen-Kirchweyhe. Die Straße ist frei. Nur noch alle paar Minuten rollt ein Auto oder ein Lastwagen vorbei, biegt Richtung Westerweyhe ab oder fährt bis zur Absperrung, um dann mühsam zu wenden: Eine dörfliche Ruhe hat sich über Kirchweyhe gelegt. Die Vögel zwitschern.

„Ach, dort gibt es ja wirklich Kühe“, scherzt Katja Drewes, Anwohnerin der ehemaligen B 4 in Kirchweyhe, denn plötzlich sind die Tiere im Ort deutlich zu hören. Große Freude herrscht auch bei ihrem Sohn Jannis. Er darf jetzt endlich draußen Fußball spielen. „Ich muss jetzt keine Angst mehr haben, dass meine Bälle darüber fliegen“, sagt der Fünfjährige und zeigt auf die Fahrbahn. Das ist in seiner Familie etwas Besonderes, denn schon Katja Drewes ist an der Durchfahrt aufgewachsen und musste ständig auf den Straßenverkehr achten. „Die Gefahr war immer da, aber nicht so sehr wie in den vergangenen Jahren, da hat der Lkw-Verkehr zugenommen“, sagt ihr Vater Jürgen Wenzel. Sein Enkel Jannis hat es nun also leichter beim Spielen draußen. Und deshalb hat er gestern auch zur Eröffnung der Ortsumgehung Kirchweyhe den Kindergarten-Besuch geschwänzt und sich mit der ganzen Familie die Zeremonie von der Brücke Emmendorfer Straße aus angeschaut.

Wer den Zebrastreifen in Kirchweyhe überqueren will, muss nicht mehr lange warten. Wer von einer Seitenstraße aus auf die Hauptstraße abbiegt, braucht ebenfalls nicht mehr lange nach rechts und links zu schauen. Ein ganz ungewohntes Bild für Robert Pfeiffer und seinen Sohn Marc, die neugierig das Fenster geöffnet haben und auf den Zebrastreifen schauen – „das ging sonst gar nicht“, sagt Robert Pfeiffer. Bei offenem Fenster wäre innen der Lärmpegel zu hoch gewesen und außerdem wären die Abgase ins Zimmer gekommen. „Wir werden jetzt erst einmal wieder Fenster putzen“, erklärt er. Mit der Handfläche wischt er über die Fensterscheibe und erhält einen schwarzen Abdruck. Das sei üblich gewesen, schon kurz nach der Reinigung. Und noch etwas Positives hat für ihn die neue Sackgasse in Kirchweyhe. Er kann sich jetzt mit einem Gartenstuhl vors Haus setzen.

Nun bestehe Hoffnung, „dass das Dorf wieder zusammenwächst und wir nie wieder einen Toten zu beklagen haben“, hatte Hans-Jürgen Chlechowitz, Sprecher der Bürgerinitiative Kirchweyhe, bei der feierlichen Eröffnung des neuen B-4-Abschnittes angekündigt. Einen ersten Schritt dazu gab es gestern offenbar. Mehrere Anlieger feierten zusammen das neue Kirchweyhe an einer Bank, die bislang direkt an der Fahrbahn nur selten benutzt wurde, sagt Katja Drewes.

Von Diane Baatani

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