Orte warten Jahre auf einen Ausbau des Internet-Netzes: Nun mehr Engagement als erwünscht

Und plötzlich gibt´s Konkurrenz...

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Das Glasfaser-Netz der Telekom reicht bis zu sogenannten Kabelverteilern, erklärt Rolf Eikhof von der Telekom. Der Landkreis will Glasfaser-Leitungen bis direkt an die Häuser führen.

Uelzen/Landkreis. Die Zukunft ist gerade einmal 0,009 Millimeter stark – das ist der Querschnitt von Glasfasern. Zu Strängen gebündelt werden sie zu Daten-Autobahnen, auf denen es keine Geschwindigkeits- oder Kapazitätsgrenzen mehr geben soll.

Die Telekom hat in den vergangenen Monaten ihr bisheriges Leitungsnetz im Uelzener Stadtgebiet, westlich des Elbe-Seitenkanals, aufgerüstet – mit Glasfaser-Technologie. „15 000 Haushalte haben Anschluss an das schnelle Netz“, informiert das Unternehmen.

Bei diesem Ausbauschritt wird es nicht bleiben. Vorbereitungen laufen auch für einen Ausbau im Stadtgebiet östlich des Elbe-Seitenkanals. Und: Auch im Bereich Bad Bevensen und Ebstorf will das Unternehmen sein Netz „stärken“. Dabei entscheidend: die Wirtschaftlichkeit. Rolf Eikhof, Leiter Team Montage und Betrieb bei der Telekom, sagt: Die Ressource Geld sei vernünftig einzusetzen.

In vielen Orten des Landkreises träumen die Menschen und Unternehmer noch von einem schnellen Internet-Anschluss. Ausbau-Bitten blieben mit dem Argument der Wirtschaftlichkeit bisher unerhört. Marlis Kämpfer von der Stabsstelle Wirtschaftsförderung des Landkreises spricht von einem „Marktversagen“.

Das Marktversagen akzeptieren? Oder gegensteuern? Landrat Dr. Heiko Blume betont: Schnelles Internet sei heute so wichtig wie eine gute Verkehrsinfrastruktur. So haben sich Kreispolitik und Verwaltung ein Ziel gesetzt: Bis 2019 sollen alle bisher unterversorgten Gebiete im Kreis mit Glasfaser-Technologie erschlossen werden. Der Gesetzgeber erlaubt das Eingreifen der öffentlichen Hand in den Markt – aber nur dort, wo auf Sicht Regionen drohen, den Anschluss an die technologische Weiterentwicklung zu verlieren. Die Schmerzgrenze sind 30 MBit/s.

Das Landkreis habe vor zwei Jahren, so erklärt Marlis Kämpfer, in einem Erkundungsverfahren abgefragt, wo auf Sicht Telekommunikationsunternehmen höhere Leistungen anbieten wollen. Für alle anderen Gebiete plante der Kreis sein Glasfaser-Versorgungsnetz – und muss nun erleben, dass die Telekom entgegen Aussagen im Erkundungsverfahren auch in den sogenannten „weißen Flecken“ tätig wird, die der Landkreis bedienen will. Das betrifft nach derzeitigem Stand Teile der Gemeinden Römstedt, Altenmedingen und Jelmstorf.

Den Sinneswandel begründet die Telekom mit an den Orten vorbeilaufenden Fernlinien-Rohren, die für einen Ausbau genutzt werden könnten. Paradox ist durch das Engagement der Telekom: In Orten, die bislang als unterversorgt galten, kann es so zu einem Wettbewerb kommen. Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt sagt: Er wünsche sich, dabei spreche er sicherlich auch für seine Amtskollegen, einen ergänzenden und keinen konkurrierenden Ausbau.

Der Landkreis gibt sich gelassen: „Wir fürchten die Konkurrenz nicht, weil wir überzeugt sind, dass wir die bessere Technologie haben“, so Marlis Kämpfer. Beim Netz des Kreises reichten die Glasfaserkabel bis zu den Häusern, bei der Telekom nur bis zu Kabelverteilern, der weitere Datenfluss laufe über Kupfer. Rolf Eikhof informiert, dass dadurch bei einer Distanz ab 500 Metern zu den Kabelverteilern ein Leistungsverlust eintrete.

Der aufkeimende Wettbewerb zwischen Landkreis und Telekom ist nicht zu verbieten: „Der Markt darf die öffentliche Hand stören“, so Wilfried Konnemann vom Breitbandkompetenzzentrum Niedersachsen. Rechtlich gebe es dagegen keine Handhabe.

Finanziert wird das Vorhaben des Kreises mit Geldern der Allgemeinheit, über die Internet-Gebühren der angeschlossenen Nutzer soll es sich refinanzieren. Bedingung ist dabei, damit es auch für den Kreis eine leistbare Aufgabe bleibt, dass eine Anschlussquote um die 60 Prozent in den Gebieten erreicht wird. Kämpfer meint, dies werde gelingen.

Von Norman Reuter

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