Jeder zehnte Uelzener gilt als überschuldet – Pfändungsschutz ändert sich

Plötzlich ist das Geld weg

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Die Änderung des Pfändungsschutzes bereitet dem Uelzener Fachanwalt Ralf Müller in diesen Tagen reichlich Arbeit.

Uelzen. Jeder zehnte erwachsene Uelzener gilt laut Creditreform als überschuldet, den Betroffenen bleibt nur ein Sockelbetrag zum Leben. Der Rest wird gepfändet und zum Abstottern von Schulden aufgebraucht.

Was die meisten Betroffenen nicht wissen: Sie müssen bis Jahresende ihr Konto umschreiben – tun sie es nicht, muss die Bank ab 1. Januar das komplette Einkommen an die Gläubiger weiterleiten, also auch den Sockelbetrag. „Und wenn das Geld erst einmal weg ist, wird es nicht leicht, es überhaupt zurückzubekommen“, sagt der Uelzener Fachanwalt für Insolvenzrecht Ralf Müller.

Hintergrund ist eine Änderung des Pfändungsschutzes, die zum 1. Januar 2012 wirksam wird. Bislang konnten Schuldner beim Amtsgericht Uelzen einen Pfändungsschutz für einen Teil der Einkünfte beantragen, die auf dem Girokonto einliefen. „Das sind 1028,89 Euro im Monat, aufgestockt wird das bei vielen etwa für zu zahlenden Unterhalt oder andere zusätzliche Ausgaben“, erklärt Müller.

Bislang konnten die Betroffenen zwei Wochen über die 1028 Euro plus X verfügen, erst dann leitete die Bank das noch auf dem Konto verbliebene Geld an Gläubiger weiter. Bei der neuen Regelung gibt es auf dem normalen Girokonto keine Fristen und auch keinen Pfändungsschutz mehr – wer sein Konto nicht umstellt, sieht keinen einzigen Cent von seinem Einkommen. Ab 2012 schützt vielmehr nur noch das so genannte Pfändungsschutzkonto, kurz P-Konto. „Deshalb müssen Betroffene ihr Konto unbedingt noch in diesem Jahr umstellen“, betont Müller. Wer mehr als den Sockelbetrag geschützt haben möchte, muss dazu seiner Bank eine entsprechende Bescheinigung vorlegen, die Arbeitgeber, Sozialleistungsträger, Familienkassen, Rechtsanwälte, Steuerberater sowie Schuldner- und Verbraucherberatungsstellen ausstellen dürfen.

Die Kontoumstellung ist kostenlos, die Höhe der Gebühren der Kontoführung dagegen je nach Bank verschieden. Und wer auf dem neuen P-Konto seinen geschützten Betrag nicht voll ausschöpft, kann den Rest mit in den nächsten Monat übertragen. So können Schuldner bis zur Höhe eines Freibetrages ein Guthaben ansparen.

Allerdings weist der Fachanwalt auch daraufhin, dass das P-Konto keine Lösung des Grundübels, der Schuldenlast, sein kann. „Hierzu ist eine endgültige Schuldenregulierung nötig, die entweder durch einen Vergleich mit den Gläubigern oder über ein Insolvenzverfahren erreicht wird“, erläutert er.

Das zu überblicken ist nicht einfach. „Deshalb sollten sich Betroffene unbedingt beraten lassen“, empfiehlt der Fachanwalt für Insolvenzrecht. Das Amtsgericht stellt Bedürftigen dafür einen Beratungshilfeschein aus, den man einem Rechtsanwalt vorlegen kann.

Von Thomas Mitzlaff

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