Bis zu 50 Prozent mehr Wespen als sonst

Plagegeister in schwarz-gelb

Auge in Facetten-Auge: Gerade in diesem Sommer empfinden viele Menschen die schwarz gelben Insekten als nervig. Fotos: dpa (2) / Ph.Schulze

Wo Menschen hektisch mit den Armen in der Luft herumwedeln oder wie aus heiterem Himmel aufspringen, ein paar Meter weit rennen und sich dabei aufführen, als müssten sie irgend etwas von sich schütteln, da sind meist Wespen nicht weit. Von Ines Bräutigam

Denn dieses Jahr ist ihr Jahr: Experten sagen, dass es im Vergleich zu anderen Jahren zwischen 30 und 50 Prozent mehr der schwarz-gelben Fluginsekten gibt als sonst.

Jochen Keller kann das nur bestätigen. Seit fünf Jahren ist er als Ehrenamtlicher für den NABU-Kreisverband Uelzen für die so genannten geschützten Hautflügler unterwegs. Dazu gehören neben anderen vor allem Hornissen und Wildbienen. Aber in diesem Jahr hat er es auch vor allem mit den Wespen zu tun. „Jeden Tag zehn Stunden“, fasst er sein Engagement zum Wohle von Mensch und Tier zusammen.

Ende Mai ging es los. Nach einem warmen Frühjahr konnten sich die Wespen optimal entwickeln, so dass sie jetzt noch penetranter am Kaffeetisch auf der Terrasse zu Werke gehen als ohnehin schon. „Bis Ende August“, so rechnet Jochen Keller hoch, „werde ich wahrscheinlich so viele Einsätze gehabt haben wie sonst in drei Jahren zusammenkommen.“ Denn Keller wird gerufen, wenn das Miteinander von Mensch und Wespe oder Hornisse kein gedeihliches ist.

Vor allem in Eingangs- oder Fensterbereichen lassen sich die Brummer gern nieder – und stören dort den Menschen am meisten. Verstärkt in Altersheimen oder ähnlichen Einrichtungen sei dann sein Einsatz gefragt: Entweder muss Jochen Keller die Tiere samt Nest umsiedeln oder aber – und das tut er nur äußerst widerwillig – abtöten. Vor allem bei Hornissen rät er den betroffenen Menschen eindringlich, alles Machbare zu tun, damit die Tiere blieben können, wo sie sind. Denn während dieses Jahr zwar ein Wespenjahr ist, gibt es nur sehr wenige Hornissen, weiß Keller. Und nicht nur das Abtöten will er möglichst vermeiden, auch das Umsiedeln birgt Risiken: In einer artfremden Umgebung könnten die Tiere dann keine Nahrung finden und sterben. „Wir kämpfen deshalb für jedes Hornissennest.“

Meistens werde er erst dann gerufen, wenn es schon zu spät sei. „Es hat schon einige Krankenwagen- und Hubschraubereinsätze gegeben, weil Menschen allergisch auf Wespenstiche reagieren“, sagt der Insekten-Experte. Oft haben Hausbewohner dann schon auf eigene Faust versucht, den schwarz-gelben Tierchen den Garaus zu machen: durch Abdichten der Eingänge zum Nest zum Beispiel. „Das hat alles aber überhaupt keinen Sinn“, winkt Jochen Keller ab, „die suchen sich immer neue Wege und fressen sich zur Not auch irgendwo durch. Durch eine Fermacellplatte schaffen die kleinen Kollegen das in einer Nacht.“

Wenn die Tiere in größerer Zahl auftreten, wird zu schnell von einer Plage gesprochen“, warnt Martin Franke, NABU-Artenschutzreferent Niedersachsen. „Doch nicht jedes massenhafte Auftreten ist gleich ein Grund zur Panik.“ So sollten Wespennester nur dort entfernt werden, wo oft Kinder spielen oder Menschen in direkten Kontakt mit dem Nest kommen könnten.

Insbesondere die Gemeine und die Deutsche Wespe sind es, die so manches Kaffeekränzchen im Freien zur Nervenprobe werden lässt.

Denn in der Sommerzeit werden die Tiere vor allem vom Duft süßer Obstkuchen, Saft und Eis angelockt. Vor allem im Spätsommer, wenn die Wespenvölker ihre maximale Größe erreicht haben, werden die Hautflügler auf der Suche nach Nahrung vermehrt von süßen Speisen und Grillfleisch angelockt. Während übrigens Kuchen, Eis und Saft der eigenen Versorgung dienen, wird Grillfleisch nur zur Aufzucht der Brut genutzt.

„Wespen sind niemals grundlos aggressiv, sondern stechen nur zur Verteidigung des Nestes und ihres eigenen Lebens“, weiß Martin Franke. Wer ein paar Tipps zum richtigen Umgang mit Wespen befolge (siehe Kasten), kann den Sommer unbeschwert im Garten genießen. Auch mit Wespen. Ab Ende Oktober wird dann sowieso Ruhe sein, dann können auch alte Wespennester problemlos beseitigt werden. Wenn nämlich die Arbeiterinnen abgestorben sind und die Wespenkönigin davon- fliegt, um sich einen Ruheplatz für den Winter zu suchen.

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