Kulinarische Leckerbissen

Auf Pilzwanderung mit Martina Borchardt landet fast alles im Korb

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Dieter Hübner aus Hamburg und Ursula Nietfeld aus Bad Bodenteich freuen sich über die reiche Ausbeute bei der Pilztour im Hösseringer Schootenwald. Neben den Klassikern Steinpilz und Pfifferling wanderten noch viele andere Pilze in die Körbe.

Uelzen/Landkreis. „Ich mache jetzt seit 15 Jahren Pilztouren und ich bin danach noch zu keiner Beerdigung eingeladen worden. “ Die Pilzsaison im Landkreis Uelzen ist in vollem Gange und Martina Borchardt vom Tourismusverein Suderburger Land kennt sich aus.

Doch auch wenn die 61-Jährige den Eindruck einer „Pilz-Expertin“ erweckt, möchte sie nicht als solche bezeichnet werden. „Wir nehmen nur die mit, die ich genau kenne“, mahnt sie, bevor sie gestern 20 Pilzwanderer in den Hösseringer Schootenwald führt.

Essbar oder nicht? Über diese Frage diskutierten gestern nicht nur Martin Wagener aus Ebstorf und Gabriele Jung aus Euskirchen.

Fast jeder von ihnen hat ein Körbchen in der Hand, das Messer stets griffbereit. Die Teilnehmer kommen von überall her und auch ihre Pilzkenntnisse könnten unterschiedlicher nicht sein. „Mein Mann ist besessen von Pilzen“, sagt etwa Dora Hübner aus Hamburg über ihren Mann Dieter. Martin Wagener aus Ebstorf dagegen isst zwar gerne Pilze, gibt aber zu: „Ich habe meine Pilze bisher bei Edeka gesucht.“ Über Stock und Moos, unter Zweigen und Spinnweben hindurch geht es durch den Wald. Jeder Pilz, der gefunden wird, wird sorgsam begutachtet. Wichtige Fragen werden erörtert: Heißt es „Fette Henne“ oder „Krause Glucke“? Muss man Pilze vorher kochen oder kann man sie gleich in die Pfanne hauen?

Essbar oder nicht? Über diese Frage diskutierten gestern nicht nur Martin Wagener aus Ebstorf und Gabriele Jung aus Euskirchen.

„Sowas lassen wir stehen.“ Borchardt ist in die Hocke gegangen und tippt auf einen großen Steinpilz, der leider bereits Schimmel auf seinem Hut trägt. Auf alte Volksweisheiten wie „Wenn der silberne Löffel beim Kochen nicht anläuft, kann man alle Pilze essen“, gibt die „Chefin“ nichts. Sie hat bereits den nächsten Pilz entdeckt. „Ich weiß nicht, ob ich den gepflückt hätte“, sagt Henrieke Baucke aus Bahnsen und schaut skeptisch auf das kleine lila Exemplar – einen Lila Lacktrichterling – in Borchardts Hand. Auch Gerd Jung aus Euskirchen, der mit seiner Frau Gabriele und Hündin Ebba auf Pilzsuche ist, hat viel im Korb, „was ich sonst nie mitnehmen würde“. Dabei schmecken Mischpilze am besten, da sind sich zumindest die Hübners einig, während sich die Körbe füllen und allen das Wasser im Munde zusammenläuft.

Es wird Zeit, sich an die Zubereitung zu machen. Aber ist die Gruppe vollzählig? Borchardt geht lieber noch einmal die Liste durch. Zwei allzu eifrige Pilzsammler fehlen, werden aber schnell durch Rufe („Klaus-Peeeeter) und einen Anruf („Ich steh hier im Wald bei so großen Steinen.“) geortet.

Im Hösseringer „Haus des Gastes“ begutachtet Borchardt zunächst jeden einzelnen Pilz, bevor geschnippelt wird. Maronen, Steinpilze, Fette Hennen, (Trompeten-)Pfifferlinge, Klebrige Hörnlinge, Birkenpilze, Perlpilze, Rotfußröhrlinge, Ziegenlippen, Lila Lacktrichterlinge, Butterpilze, Hexenröhrlinge, Kuhpilze und EdelReizker – sie alle kommen frisch gesäubert in die Pfanne. „Wer die Pilze wäscht, wäscht den Geschmack weg“, stellt Borchardt klar.

Vor dem Essen hat sich dann nicht nur der Inhalt der Pfanne deutlich reduziert, sondern auch die Teilnehmerzahl. Es könnte die Angst vor einer Pilzvergiftung gewesen sein, wird gemunkelt. Leer wird die große Pfanne trotzdem – auch wenn der Spruch „Manche Pilze isst man nur einmal“ beim Essen nicht nur einmal fällt. Und so heißt es zum Abschied: „Tschüß und bleibt gesund.“

Von Sophie Borm

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