Leichter Verkaufsanstieg im Kreis

Freigabe des Präparates: Die „Pille“ bei Verhütungspannen

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„Missgeschicke beim Sex können jedem passieren“, heißt es in einem Flyer zur „Pille danach“. Seit März ist sie ohne Rezept zu bekommen.

Uelzen/Landkreis. „Missgeschicke beim Sex können jedem passieren.“ Der erste Satz im Informationsflyer zur „Pille danach“ will Frauen die Angst nehmen, dass sie schief angeschaut werden, wenn sie aus Sorge vor einer ungewollten Schwangerschaft in einer Apotheke nach dem Präparat fragen.

Seit März ist die „Pille danach“ ohne Verschreibung durch einen Arzt erhältlich. Seitdem ist der Absatz bundesweit gestiegen. Die Deutsche Presse-Agentur meldet, dass von den beiden freiverkäuflichen Produkten 30 Prozent mehr veräußert wurden. Im Landkreis Uelzen geben Apotheker ein wenig häufiger als bislang die Produkte an Frauen und Männer heraus, die nach Verhütungspannen bei ihnen aufschlagen.

Die Apotheker führen keine eigene Statistik über die Herausgabe der „Pille danach“, dennoch wissen sie, wie viele Packungen bisher über den Ladentisch gegangen sind. Zum Verkauf gehöre eine ausführliche Beratung und Dokumentation, schildert der Uelzener Apotheker Matthias Vaupel. Um sicherzustellen, dass die „Pille danach“ eine ungewollte Schwangerschaft noch verhindern könne und um auch mögliche Nebenwirkungen auszuschließen, würde mit jeder Betroffenen das Gespräch gesucht und Ergebnisse anonymisiert schriftlich festgehalten.

So weiß der Bad Bevenser Apotheker Ingo Apel, dass im ersten Halbjahr 2015 in sechs der mehr als zwei Dutzend Apotheken im Landkreis Uelzen 45 Packungen verkauft wurden. Im gesamten Jahr 2013, damals war eine Verschreibung noch nötig, gab es in den sechs Apotheken, die eine gemeinsame Datenbank für Medikamente besitzen, 40 Fälle und 2014 insgesamt 58 Fälle. Die Uelzener Apothekerin Birgit Schulz-Seydel erklärt, dass sich das Verkaufsniveau auf den Vorjahresniveau bewege. „Im Frühjahr hat es ein stärkeres Interesse gegeben. Da kamen auch Mütter, die Informationen einholen wollten, falls es mal Thema bei den Töchtern werden könnte“, sagt sie.

Anja Sommer, Apothekerin aus Bad Bevensen hat in diesem Jahr bisher sechs Präparate herausgegeben. Bei allen Betroffenen habe sich durch die Dokumentation gezeigt, dass sie verantwortungsvoll mit dem Thema Verhütung umgehen, aber durch Pannen wie geplatzte Kondome oder eine vergessene Einnahme der regulären Pille die Sorge bestand, ungewollt schwanger werden zu können.

Zur Beratung der Apotheker gehört auch die Wirkungsweise der „Pille danach“ zu erklären. Matthias Vaupel weiß aus den ersten Monaten nach der Freigabe der Präparate, dass die Aufklärung über die Wirkungsweise wichtig ist. Ein Teil der Hilfesuchenden frage ohne Vorwissen nach der „Pille danach“: „Das ein oder andere Mal habe ich das Gefühl, dass die Betroffene nicht weiß, wie sie funktioniert.“

Die Einnahme der „Pille danach“ bewirkt keinen Schwangerschaftsabbruch. Sie verschiebt den Eisprung. Wird das Präparat rechtzeitig eingenommen, verhindert es durch den verschobenen Eisprung das Zusammentreffen von befruchtungsfähiger Eizelle der Frau und Spermien des Mannes.

„Die ,Pille danach‘ bietet keinen 100-prozentigen Schutz“, heißt es in dem Informationsflyer zum Thema. Abhängig sei die Wirkung von dem Zeitpunkt der Einnahme. Je nach Produkt kann eine nachträgliche Verhütung drei bis fünf Tage nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr noch funktionieren.

Für Betroffene sei es nach der Freigabe der „Pille danach“ leichter und schneller möglich, eine ungewollte Schwangerschaft noch abzuwenden, sagt Claudia von Bülow, Leiterin von „Profamilia“ in Uelzen. Früher hätten mit einem zwingenden Arztbesuch Frauen sich nach Verhütungspannen öfter gesagt, „ach, es wird schon gutgehen“, jetzt könnten sie mit den Präparaten für mehr Sicherheit sorgen.

Der Verband betreut auch Frauen, die nach Verhütungspannen schwanger sind. Profamilia spreche sich für die „Pille danach“ aus, aber wichtig sei auch, dass die Frauen und Männer aufgeklärt und über die Wirkungweise der Präparate gut informiert würden, so von Bülow. Profamilia werde regelmäßig von Schulen aus dem Landkreis für eine lebenspraktische Beratung angefragt.

Von Norman Reuter

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