Pilgern fürs Miteinander

Dieter Morawietz und Paul Brand wandern zu Flüchtlingsunterkünften

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Dieter Morawietz (links) und Paul Brand vor dem Uelzener Hundertwasser-Bahnhof. Per Bahn reisen beide nach Bayern, dort wollen sie sich ein Bild von der Situation der Flüchtlinge machen.

Uelzen. „Wir reden nicht, wir gehen einfach los“, sagt Dieter Morawietz vor Beginn seiner diesjährigen Pilgerreise.

Der Uelzener will zusammen mit seinem Begleiter Paul Brand aus Hannover mit einer Wanderung einen positiven Impuls für das Zusammenleben mit Flüchtlingen in Deutschland setzen. Seit Monaten trainieren die beiden Männer ihre Ausdauer mit Wanderungen im Kreis Uelzen und haben schon hier Freude an angenehmen Erlebnissen.

Für Morawietz sind Pilgerwanderungen nichts Neues. So nahm er sich nach dem Selbstmord des Profi-Fußballers Robert Enke von Hannover 96 beispielsweise dem Thema Depressionen an. Bei der ehrenamtlichen Tätigkeit in einer Flüchtlingsunterkunft entstand die Idee für die diesjährige Reise. Die beiden Männer wollen sich, so Morawietz, „selbst ein Bild von der derzeitigen Situation in unserem Deutschland machen“.

Morawietz, der 1945 selbst als Flüchtlingskind aus Pommern nach Norddeutschland kam, stellt zunächst den Gedankenaustausch in den Vordergrund. Zwischen Waldmünchen und Passau soll es diverse Gespräche mit Bürgermeistern, aber auch in Flüchtlingsunterkünften geben. Die Zeichen stehen nicht schlecht, die Hilfsbereitschaft ist groß: Im Vorfeld habe zahlreiche Personen bereits Übernachtungsmöglichkeiten angeboten.

„Wer Gutes tut, bekommt auch Gutes zurück“, ist Morawietz überzeugt. Bei seiner Tätigkeit in der Flüchtlingsunterkunft habe er das bereits erfahren. Er unterrichtete dort Deutsch und „seine“ Familie habe inzwischen in Lohnde/Seelze ein neues Zuhause gefunden– samt eines Jobs in einem Architektenbüro für den Vater. „Natürlich“, ergänzt Morawietz, „mit einer gründlichen Deutschausbildung.“

Dieter Morawietz und Paul Brand positionieren sich vor ihrer Reise, die am 29. Mai beginnt, zwischen von Begeisterung getragener Aktivität und einer Portion Realismus. Sie appellieren auch an andere, mit Vorurteilen aufzuhören und ein Beispiel für ein freundliches Deutschland zu geben. Und sie sind sich einig: „Wir können die Welt nicht retten – aber wir können sie ein wenig erwärmen.“

Von Steffen Kahl

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