Autofahrer geraten im Stop-and-Go-Verkehr aneinander: Streit wird vor Amtsgericht verhandelt

Pfefferspray-Attacke auf der B4

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Auf der Bundesstraße 4 im Bereich Uelzen gerieten die beiden Autofahrer aneinander. Am Ende traktierte der Angeklagte das Opfer mit Pfefferspray.

Uelzen. Dass er sich jemals auf der Anklagebank des Uelzener Amtsgerichts wiederfinden wird, das hätte sich der Diplom-Physiker vor dem 25. Juni vergangenen Jahres sicher auch nicht träumen lassen.

Da sind dem unscheinbar wirkenden 46-Jährigen auf der Bundesstraße 4 die Nerven durchgegangen. Er griff zum Pfefferspray und verpasste einem 33 Jahre alten Elektriker einen Stoß. Das wertete die Anklage als gefährliche Körperverletzung.

Der Zwist zwischen dem arbeitslosen Naturwissenschaftler und dem Handwerker spiegelt den alltäglichen Wahnsinn auf den Straßen wider. Baustelle und Stop-and-Go auf der Uelzener Ostumgehung. Der Angeklagte sei angeblich von dem späteren Opfer in seinem Firmenbulli geschnitten worden. „Ich musste scharf bremsen.“ Der Zeuge sieht‘s anders. Er wollte einscheren, da habe der Angeklagte hinter ihm beschleunigt, er habe wieder nach rechts ziehen müssen. „Dann bin ich beim nächsten Stopp ausgestiegen und wollte den Mann wegen seiner Fahrweise zur Rede stellen.“ Freundlich sei er dabei sicher nicht gewesen, räumte der Elektriker auf Nachfrage von Richter Tore Larsen ein.

Der Angeklagte will gehört haben, wie der 33-Jährige gegen sein Auto getreten habe. Lediglich mit der flachen Hand habe er gegen die Tür geklopft, so der Zeuge. Da habe der Physiker schon mit gezücktem Pfefferspray im Auto gesessen. Neben ihm seine Ehefrau. Die wollte er an diesem Tag zum Psychiater fahren. Sie leide unter Depressionen. Schließlich ging der Elektriker zurück zu seinem Bulli. Daraufhin stieg der Angeklagte aus. „Ich wollte mir die Telefonnummer der Firma notieren.“ Dann habe er noch gesagt, er werde dafür sorgen, dass es seinen Arbeitsplatz verliere. Der Handwerker hält mit seiner Meinung über den 46-Jährigen nicht hinter dem Berg. „Da nahm er das Pfefferspray hoch und hat drei- , viermal gesprüht.“ Der Mann in seinem Transporter kann sich wegdrehen und wird nur am Arm getroffen, nicht im Gesicht. Der Physiker fährt weiter, der Elektriker ruft die Polizei. „Ich habe so etwas noch nie gemacht“, sagt der Angeklagte erschrocken über sich selbst. Er habe sich bedroht gefühlt. Deshalb, weil er geständig ist, das Opfer nur Hautreizungen davonträgt, ringen sich Gericht und Anklage dazu durch, das Verfahren gegen Zahlung von 600 Euro einzustellen. Durchaus empfindlich für einen Hartz-IV-Empfänger, konstatieren Staatsanwalt und Richter.

Von Jens Schopp

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