Schüler entwickeln an der Leuphana Universität eigene App-Konzepte

Auf Partnersuche mit Smartphone beim Tag der Informatik

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Was passiert denn da? Stefan Springmann (4. von links), Lehrer am Johanneum in Lüneburg, schaut sich mit seinen Schülern einen Versuch mit dem neu entwickelten App-Konzept „Meet‘n Love“ an.

Lüneburg. Paul hat ein Problem: Er sieht passabel aus, ist nicht auf den Kopf gefallen, doch auf der Suche nach der großen Liebe ist er bisher leer ausgegangen.

Stefanos Dimitriadis

Dabei weiß er, woran es hakt: Er ist ständig auf Achse, hat kaum Zeit und noch viel weniger Lust, vor dem heimischen PC im Online-Chat wochenlang nach dem vermeintlichen „Perfect Match“ zu suchen, das sich beim ersten Treffen als totale Niete entpuppt. Doch Paul muss nicht verzweifeln, Hoffnung naht aus Scharnebeck: Patrik Funk, Maximilian Flügge, Leon Plickat und Pascal Mennerich haben mit „Meet‘n Love“ ein auf Geomatching basierendes App-Konzept entwickelt, das es dem 18-Jährigen ermöglicht, auch unterwegs mit Hilfe des Smartphones spontan potenzielle Partnerinnen zu orten und bei Einverständnis der „Zielperson“ sofort an ausgewählten Treffpunkten zu daten. Die Zehntklässler vom Bernhard-Riemann-Gymnasium gehören zu den Teilnehmern des Team Contests beim siebten Tag der Informatik an der Leuphana Universität Lüneburg. Dabei bekamen rund 100 Schüler von 20 Schulen aus der Region die Gelegenheit, in verschiedenen Workshops Informatik auszuprobieren.

„Unser Ziel ist es, Informatik bekannter und beliebter zu machen, die Schüler mehr für das Fach zu interessieren“, sagt Mitorganisator Stefanos Dimitriadis, der im AZ-Gespräch mit einem seiner Meinung nach weitverbreiteten Missverständnis aufräumt: „Bei Informatikern denken alle immer nur an diese merkwürdigen Leute, die allein im dunklen Keller sitzen, Pizza mampfen und vor sich hin hacken. Doch das ist ein Klischee und das ist uncool.“

Der Dozent am Institut für Wirtschaftsinformatik und E-Business plädiert für eine frühe Beschäftigung mit der Informatik an den Schulen, möglichst bereits in der fünften Klasse: „Unser tägliches Leben ist durchzogen von Informatik. Früher hat man immer Medien-Kompetenz von den Schülern gefordert, heute vermisse ich den Ruf nach IT-Kompetenz.“

Dabei stößt Dimitriadis auf offene Ohren bei Stefan Springmann, Lehrer am Johanneum für Mathematik und Chemie, der seine Schüler vor allem im kritischen Umgang mit Informationen üben und auf Grenzen und Gefahren der Digitalisierung aufmerksam machen möchte: „Ich bin daher sehr dafür, Informatik als eigenes Unterrichtsfach einzuführen. Doch es fehlt an Geld und geschulten Lehrern.“

Im Wettbewerb um das beste App-Konzept zu den Themen Liebe, Gesundheit und Lernen mussten sich die Scharnebecker Handy-Verkuppler wie zwei andere Teams mit einem zweiten Platz zufrieden geben. Gewonnen hat die weibliche Konkurrenz vom Gymnasium Bleckede, die mit ihrer, so die Jury, „sehr originellen und leidenschaftlich vorgetragenen Präsentation“ der an das Videoportal YouTube gekoppelten Fitness-App YouFit das „Kopf-an-Kopf-Rennen“ machte.

Von Marcus Kieppe

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