Das Wort zum Sonntag

Das Paradies

Es ist irgendwo. Selten ist es da – meistens ist es unerreichbar weit. Wir erkennen es oft erst, wenn es verschwunden ist. – Die Bibel erzählt, dass es ganz am Anfang war und dann verloren ging. Auch ich kenne das Paradies.

Manchmal flackert in mir eine Erinnerung auf: an eine Begegnung, an einen Menschen – an einen Augenblick, in dem alles stimmte. „Ja, das Paradies, das war einmal“, denke ich dann im Stillen und sehne mich heimlich nach diesem Ort des Einklangs, wo alles harmoniert. „Hier wäre ich glücklich“, sage ich dann, „denn es gäbe keinen Grund traurig zu sein. Ich hätte keine Angst – egal wovor. Ärger und Leid wären weit weg. Alles wäre gut – im Paradies. “ Der Gedanke an das Paradies erfüllt mich mit Wärme. Es gibt nichts, was ich entbehren muss. Jesus sprach zu einem der Übeltäter, die mit ihm gekreuzigt wurden: „Wahrlich ich sage dir, noch heute wirst du mit mir im Paradies sein. “ (vgl. Lk 23,43) – Über diese Worte staune ich. Jesus verheißt dem Übeltäter, der mit ihm dem Tod entgegen sieht, den Eintritt zu dem Ort meiner Sehnsucht. Ungeachtet des Verlaufs unseres Lebens verspricht uns Jesus den Eintritt in das Paradies. Das macht mir Mut und schenkt mir Hoffnung: Am Ende steht nicht der Tod, sondern die Fülle des Lebens. Das Paradies war nicht nur am Anfang, sondern es ist auch das Ziel. – Und der Tod, der ist die Tür dazu.

Susanne Hallwaß ist Pastorin in den Kirchengemeinden Barum-Natendorf und Ebstorf.

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