Nach 17 Jahren Kampf: Kirchweyher wandeln auf ihrer Ortsumgehung / Heute Eröffnung

2,1 Kilometer Lebensqualität

Uelzen-Kirchweyhe. Heute Abend wird es ruhig in Kirchweyhe – ungewohnt ruhig. Keine Lastwagen donnern mehr quer durch den nördlichsten Ortsteil der Stadt Uelzen, die Scheiben der Wohnhäuser klirren nicht mehr.

Und wenn das Wetter etwas besser wäre, könnte man sogar im Garten einen Kaffee trinken und sich unterhalten, ohne von aufheulenden Motoren unterbrochen zu werden. Denn heute ist der große Tag für die 480 Bewohner von Kirchweyhe – ihre neue Ortsumgehung wird freigegeben.

Bis zu 17 000 Fahrzeuge, darunter mehr als 4000 Lastwagen, werden künftig über die neue Route geführt – in großem Abstand zum Ort. Bevor aber am heutigen Dienstag um 11 Uhr der offizielle Festakt zur Freigabe der neuen Straße beginnt, durften die Kirchweyher gestern Abend ihre Ortsumgehung zu Fuß oder per Fahrrad erkunden – jene Straße, für die sie so lange gekämpft hatten. Und mehr als 100 Bewohner machten Gebrauch davon.

Die Straßenbaubehörde hatte Karten aufgestellt, an denen die Kirchweyher den Verlauf der Ortsumgehung anschauen konnten.

Unter ihnen auch Mitglieder der Bürgerinitiative, die die Trasse an Kirchweyhe vorbei immer wieder gefordert hatte. „Es ist ein Moment der Zufriedenheit“, sagte Hans-Jürgen Chlechowitz, einer der BI-Mitstreiter, der gestern Abend mit den anderen auf der frischen Asphaltdecke vom Kreisel aus Richtung Kirchweyhe lief. 17 lange Jahre habe er sich für die Ortsumgehung stark gemacht, immer wieder ein Auf und ein Ab erlebt. „Mal sollte die Straße gebaut werden, dann hieß es, sie kommt doch nicht.“

Am 14. Mai 2012 schließlich erfolgte der erste Spatenstich, fast auf den Tag genau zwei Jahre später kann der Verkehr freigegeben werden, erläuterte Dirk Möller, Leiter des Geschäftsbereichs Lüneburg der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr gestern den Kirchweyhern. 11,2 Millionen Euro seien für die 2,1 Kilometer lange Umgehung verbaut worden, so Möller. Allein über eine Million Euro sei für die Brückenbauwerke unter und über der Trasse benötigt worden. Uelzens Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull wusste eingangs zu berichten, dass einst fünf Millionen Euro für den Bau angesetzt gewesen waren. Dann startete die „Inspektion“.

Für einige der gestern Gekommenen war es nicht eine gänzlich neue Erfahrung, auf der noch unbefahrenen B 4 zu wandeln. „Wir haben sie öfter für einen Spaziergang genutzt“, verriet Detlef Koloska. Damit ist heute spätestens um 12 Uhr Schluss. Aber dann bietet sich die Ortsdurchfahrt als Alternative an.

Von Norman Reuter und Thomas Mitzlaff

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