Start einer Kampagne: Uelzener zeigen mit Fotos ihre Standpunkte gegen Straftaten an Frauen

220 Opfer häuslicher Gewalt

„Mit Füßen tanzen statt zutreten“: DJ Sherlock Dope hat seinen Standpunkt gegen Gewalt an Frauen schon festgehalten. Bei einer Kampagne auf dem Herzogenplatz sind am 14. Juni die Standpunkte anderer Menschen zu dem Thema gefragt. Foto: privat

Uelzen. Knapp 220 Frauen haben im vergangenen Jahr in der Uelzener Beratungsstelle gegen Gewalt an Mädchen und Frauen (BISS) angerufen. Dort erhalten sie Hilfe bei körperlicher oder psychischer Gewalt, bestätigt Britta Hönig aus der Einrichtung BISS.

„Die Fallzahlen steigen von Jahr zu Jahr“, berichtet Britta Hönig. Zwar kämen Betroffene sehr viel früher zur Beratung, als es noch vor Einführung des Gewaltschutzgesetzes von 2002 der Fall gewesen sei. Viele melden sich auch von selbst, ohne dass die Polizei bei einer Tat eingeschaltet wurde. Vermutlich gibt es aber dennoch eine hohe Dunkelziffer von Frauen, die geschlagen, bedroht oder psychisch unter Druck gesetzt werden und sich weder bei BISS noch bei der Polizei melden, wissen Britta Hönig und Jacqueline Falke, die für die Polizei Uelzen am Runden Tisch zur gemeinsamen Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes in Uelzen beteiligt sind.

Seit Anfang 2003 gibt es diesen durch die BISS Uelzen initiierten Runden Tisch mit Mitarbeitern von Polizei, Amtsgericht, Frauenhaus, Beratungsstellen und Opferhilfeeinrichtungen sowie Rechtsanwältinnen. Die Treffen haben zu einer eindeutigen Verbesserung der Kooperation in Fällen häuslicher Gewalt beigetragen, berichtet Britta Hönig.

Um dieses Thema weiterhin aus dem Tabu-Bereich zu holen, veranstaltet der Runde Tisch am Sonnabend, 14. Juni, von 10 bis 13 Uhr eine Mitmach-Kampagne auf dem Uelzener Herzogenplatz. Dort können Menschen sich alleine oder in einer Gruppe oder Mannschaft mit ihrem Standpunkt gegen Gewalt an Mädchen und Frauen fotografieren lassen. Der Leiter des Polizeikommissariats Uelzen, Dieter Klingforth, hat sich bereits fotografieren lassen. Er findet: „Gewalt? Nie die Lösung.“ Der Uelzener DJ Sherlock Dope ist auch bei der Kampagne dabei und fordert dazu auf, mit den Füßen zu tanzen anstatt zuzutreten.

„Wir wollen aufzeigen, dass von Gewalt betroffene Frauen nicht alleine sind, sondern dass eine Vielzahl von Menschen und Organisationen auf ihrer Seite stehen“, sagt Britta Hönig. Mit einem Satz oder einem Spruch gegen Gewalt kann man sich – anonym oder auch namentlich – ablichten lassen. Materialien dazu werden auf dem Herzogenplatz zur Verfügung gestellt. Damit will das Team auch jüngere Menschen sensibilisieren. Denn zu dem Thema gehören ebenso neuere Formen von Gewalt an Mädchen über das Internet, sagt Nicole Schröder von der Georgsanstalt, die an der Kampagne mitarbeitet. Aus allen Fotos soll in Kooperation mit der Georgsanstalt eine Ausstellung samt Informationstafel im Rathaus organisiert werden.

Von Diane Baatani

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