Bis zu fünf Prozent der jungen Menschen gelten als onlinesüchtig / Vortrag im Rathaus

Onlinesucht: Jungen spielen, Mädchen chatten

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36 Prozent der Internetsüchtigen spielen am Computer, ebenfalls 36 Prozent chatten in sozialen Netzwerken.

Uelzen. Während der Schulzeit ist das Kind mit dem Smartphone beschäftigt, nach dem Unterricht geht es nach Hause an den Rechner – andere Verpflichtungen werden ausgeblendet.

Ab wann gilt das Verhalten als Computersucht? Als Richtwert für eine Online-Abhängigkeit wird eine Zeit von 30 Stunden wöchentlich betrachtet, die jemand mit Spielen, Chatten oder Surfen verbringt, sagt Diplom-Sozialpädagogin Anja Fischer von der Ostfalia Hochschule Suderburg. Allerdings könne der Wert auch individuell oberhalb oder unterhalb dieser Dauer liegen. Wie bei einer Alkoholsucht gebe es zwei Aspekte, die bei der Einschätzung berücksichtigt werden müssten, erklärt Prof. Martin Wallroth, Dekan der Fakultät für Handel und Soziale Arbeit an der Ostfalia. Ausschlaggebend sei, ob ein Kontrollverlust und eine Schädigung eintreten.

Beide beschäftigen sich an der Hochschule mit diesem Thema und werden am Dienstag, 28. Januar, um 18 Uhr bei einem öffentlichen Plenum des Präventionsrates im Rathaus Uelzen erläutern, was eine pathologische Internetnutzung ist, welche Risiken diese Sucht begünstigen und auf welche Alarmsignale Eltern bei ihren Kindern achten sollten. Im Anschluss an den Vortrag gibt es Gelegenheit zum Gespräch.

Eine Diagnose „Internetsucht“ gibt es noch nicht, häufig gehe das Verhalten mit einer Angsterkrankung oder anderen Süchten einher. Fischer verweist auf eine Studie, nach der bei abhängigen Jungen Spiele am Computer im Vordergrund stehen, bei Mädchen hingegen Chatten in sozialen Netzwerken. Bis zu anderthalb Prozent der 14- bis 64-Jährigen seien internetabhängig, bei bis zu fünf Prozent werde von einem problematischen Gebrauch gesprochen. In der Altersklasse der 14- bis 24-Jährigen sei der Anteil höher, dort seien bis zu fünf Prozent onlinesüchtig.

Anja Fischer rät zu präventivem Handeln. So sei es wichtig, dass Eltern das Interesse des Nachwuchses am Computer begleiten und die PC-Nutzung begrenzen. Das Internet dürfe auch nicht verteufelt werden. „Der PC gehört zum Leben dazu“, sagt sie und schlägt vor, Alternativen zum Surfen anzubieten: „Erst zwei Stunden spielen und danach mit der Familie eine Radtour machen.“

Und wenn der Umgang mit dem Computer problematisch ist, ist es besser, wenn jemand Unabhängiges das anspricht, rät Wollrath. „Professionelle Unterstützung pädagogischer oder therapeutischer Art ist immer gut.“ Ansonsten werde Kritik oft als ein „Druckausüben“ aufgefasst.

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