Weg von den Bundes- und Landesstraßen ab

B 4 ohne „Schnelle Hirsche“: Ministerium zieht Polizei-Videowagen ab

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Das Innere eines „Schnellen Hirschs“: Auf dem Bildschirm in der Mittelkonsole haben die Polizisten Raser im Blick.

Uelzen/Landkreis. Gerade mal etwas mehr als ein Jahr ist es her, da sorgte ein Amateurvideo im Internet für Furore. Es zeigte Aufnahmen von waghalsigen Überholmanövern auf der Bundesstraße 4 zwischen Uelzen und Bienenbüttel.

Die Polizei stufte die Szenen als authentisch ein. Und jetzt sind Ordnungshüter in Lüneburg ausgerechnet jene Fahrzeuge los, mit denen sie Jagd auf solche verantwortungslosen PS-Ritter im Landkreis machten.

„Die dort dargestellten Situationen sind in den Spitzenstunden leider Realität“, sagte damals Andreas Dobslaw, Verkehrsexperte bei der hiesigen Polizeiinspektion und Geschäftsführer der Unfallkommission, über die Situation auf der meistbefahrenen Fernstraße im Kreis Uelzen. Dennoch hat das niedersächsische Innenministerium verfügt, dass die drei Police-Pilot-System-Fahrzeuge der Polizeidirektion Lüneburg künftig auf den Autobahnen 1, 7, 39 und 261 im Einsatz sein werden. „Die mit dem Fahrzeug aufgedeckten Fälle und der Aufwand, der betrieben werden muss, haben nicht mehr im Verhältnis gestanden“, sagt Wiebke Hennig, Sprecherin der Lüneburger Polizeidirektion. Nur noch ausnahmsweise würde das Fahrzeug auf Landes- oder Bundesstraßen in den acht Landkreisen der Polizeidirektion eingesetzt, so Hennig.

Mit den getunten BMWs – „Schnelle Hirsche“ im Polizeijargon –, ausgerüstet mit moderner Video- und Messtechnik, sei man hinter Verkehrssündern her, bei denen der Bußgeldkatalog nicht mehr ausreiche, sondern die schwere Keule des Strafgesetzbuches her müsse. Allein die Anschaffung eines der Fahrzeuge betrage einen sechsstelligen Betrag. Die Fahrer müssten speziell geschult werden. „Einmal im Jahr steht ein Hochgeschwindigkeitstraining auf dem Nürburgring an“, sagt Hennig. Auch die Schulung an der Technik sei sehr aufwendig. Schließlich müssten die Aufnahmen am Ende vor einem Richter ausreichend Beweiskraft haben. Das so gesparte Geld will die Polizei in andere Technik zur Geschwindigkeitsüberwachung stecken, sagt Hennig. Geblitzt werde weiterhin.

Von Jens Schopp

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