Essen in den Grundschulen: Bürokratie grenzt bedürftige Kinder vorerst aus

Nur Obst für arme Schüler

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Essensausgabe in der neuen Mensa der Sternschule. Seit Montag gibt es warme Mahlzeiten – nur nicht für alle. Foto: Schopp

Uelzen. Seit Montag gibt es in den Ganztags-Grundschulen in der Stadt Uelzen warmes Essen in den neuen Mensen. Den Kindern scheint es zu schmecken, so der Eindruck diese Woche in der schmucken Mensa der Sternschule.

Nur: Nicht alle Kinder kommen in den Genuss der warmen Mahlzeiten des Caterers. Nachwuchs, deren Eltern in der Hartz-IV-Schleife hängen oder Kinder aus Flüchtlingsfamilien schauen vielfach erst einmal in die Röhre. Grund: Wer die Mahlzeit nicht selbst finanzieren kann, muss über das sogenannte Bildungs- und Teilhabe-Paket der Bundesregierung einen Zuschuss beantragen.

An der Stelle hängt es und es wird ein wenig verworren: Der Landkreis als zuständiger Kostenträger beziehungsweise das ihm angegliederte Jobcenter teilen mit, sie hätten keinen Antragsstau, wie Kreissprecher Martin Theine sagt.

Die Stadt Uelzen als Schulträgerin ist im konkreten Fall gar nicht zuständig. Ob jetzt die Anträge für das Teilhabe-Paket zu spät an die Schulen rausgegangen sind oder der Rücklauf zu schleppend verläuft? Die Aussagen der Beteiligten decken sich nicht.

Fakt ist: Noch gibt es mittags an Uelzens Grundschulen im Ganztagsbetrieb eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Jene, die eine warme Mahlzeit bekommen und jene, die sich wie an der Sternschule mit Obst begnügen müssen.

Engagierte Helfer und Lehrer organisieren die Mittagsversorgung an der Schule mit. Schulleiterin Dörthe Reinhold verteilt Zwiebäcke. Sie selbst beklagt die Situation der betroffenen Kinder außerordentlich. Während Altersgenossen aus der ersten oder zweiten Klassen brav mit ihren Tabletts und dem abgezählten Geld fürs Menü (3,50 Euro) anstehen, nehmen Mitarbeiterinnen diejenigen beiseite, die leer ausgehen, kümmern sich liebevoll und versorgen sie mit Obst. Reinhold ist froh, dass alle Schützlinge satt werden. Glücklicherweise sei die Schule in einem Schulobst-Programm, sodasss niemand mit knurrendem Magen ins Nachmittagsprogramm starten müsse, so Reinhold. Sind die Anträge genehmigt, müssen die Kinder ein Euro pro Mittagessen in ihrer jeweiligen Schule zahlen.

Von Jens Schopp

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