„Die Rübe soll Spaß machen“

Vor Nordzucker-Kampagnenstart: Unternehmen für die Zukunft optimistisch

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Georg Sander verantwortet im Uelzener Werk unter anderem die Logistik rund um die Rübenkampagne.

Uelzen. Mittwoch beginnt die diesjährige Rübenkampagne im Uelzener Nordzucker-Werk. Bis Januar werden 2,1 Millionen Tonnen Rüben ins Industriegebiet „Im Neuen Felde“ gefahren, entstehen werden daraus 340 000 Tonnen Zucker, so die Prognose von Dr. Mathias Böker, Werksleiter.

Für Georg Sander, verantwortlich für die Logistik rund um die Rübenkampagne, hat vorab ein Thema große Bedeutung: die noch bis Ende des Monats dauernde Baustellenumleitung wegen der B 4-Sanierung. Der Austausch mit Behörden sei eng, um die Anlieferung über den Ostring aus Richtung Süden möglichst reibungslos ablaufen zu lassen, so Sander.

Dass man die Kampangne mit langen Schlangen stehenden Verkehrs in Verbindung bringe, sitze zwar in den Köpfen vieler Uelzener fest. De facto hätten diverse logistische Veränderungen aber dazu geführt, dass der Verkehr kaum noch negativ beeinflusst werde. Der wesentliche Punkt sei, dass inzwischen 24 Stunden am Tag Rüben angeliefert würden, so Sander. 900 Fahrzeuge täglich werden im Kampagnenzeitraum minutiös getaktet, die Rüben von den Feldern Norddeutschlands nach Uelzen bringen. Allein aus dem Landkreis Uelzen liefern 486 Bauern Rüben in die Hansestadt. Zusammen werden sie voraussichtlich auf 600 000 Tonnen kommen.

Trotz des Wegfalls der Zuckermarktordnung und der künftigen Konkurrenz auf dem Weltmarkt ist man im Uelzener Werk vorsichtig optimistisch. Mathias Böker: „Die Preise sind auf niedrigem Niveau stabil. Es ist unsere Aufgabe, mit diesem Preis zurechtzukommen.“ Insbesondere Modernisierungen seien hierbei wichtig. Zur Senkung der Energiekosten seien gerade 4,8 Millionen Euro in die Modernisierung der „Schnitzelpressen“ investiert worden.

„Die Rübe soll weiter Spaß machen“, so Georg Sander in Hinblick auf die weitere Zusammenarbeit von Erzeugern und Vermarktern.

2385 Landwirte liefern Zuckerrüben

Dr. Mathias Böker

„Wir haben 40 zusätzliche Kräfte für die diesjährige Kampagne eingestellt“, berichtet Dr. Mathias Böker in einem Pressegespräch gestern vor dem Kampagnen-Start des Uelzener Nordzucker-Werkes. Sie werden die Feldfrüchte bis in den Januar an sieben Tagen der Woche, 24 Stunden am Tag verarbeiten. Insgesamt, so Böker, liege die Mitarbeiter Zahl im Werk konstant um 300. 2385 Bauern in Norddeutschland bauten, so der Leiter der Rohstoffversorgung Georg Sander, Rüben an und lieferten diese an das Uelzener Werk. 486 von ihnen kämen aus dem Landkreis Uelzen. Sie lieferten in der kommenden Kampagne voraussichtlich 600 000 Tonnen von insgesamt 2,1 Millionen Tonnen Rüben, aus denen in dem Werk 340 000 Tonnen Zucker würden: Puderzucker, Würfelzucker, für Kaffee portionierten Zucker, Zucker für die Weiterverarbeitungen in den Schwartauer Marmeladenwerken oder für die Coca-Cola-Produktion in Deutschland, unter anderem in Lüneburg. Nach bisherigen Erkenntnissen war das Jahr 2016 ein gutes Rübenjahr, so Sander. Die Ernte sehe insbesondere auch durch die Feldberegnung gut aus, der Zuckergehalt liege bei 18 Prozent der Frucht.

Im Zusammenhang mit dem Wegfall der Zuckermarktordnung und dem steigenden Druck, die Produktionskosten zu senken, werde die regionale Produktion perspektivisch noch wichtiger, so Dr. Mathias Böker, Werksleiter in Uelzen. Schon jetzt würden die Rüben der Bauern aus Schleswig-Holstein, die wie alle anderen Rübenlieferanten auch Anteilseigner des Unternehmens sind, alternativ vermarktet, sprich: vor Ort Biogasanlagen zugeführt.

Grund seien die Transportkosten, die wiederum im Umkehrschluss den regionalen Erzeugern im Raum Uelzen mehr Bedeutung zukommen ließen. Der Anteil der verarbeiteten Rüben aus dem „Nahbereich“ könne so von derzeit 60 bis 70 Prozent noch steigen. Davon, dass die Bauern der Region diesem Umstand positiv begegnen, ist Böker überzeugt: „Die Rübe hat eine Riesenbedeutung in der Fruchtfolge Kartoffel – Rübe – Getreide, sie ist aber auch ein wesentlicher Faktor für das Betriebseinkommen.“

Dies werde auch nach dem Wegfall der Zuckermarktordnung so bleiben können, sagt Böker. Für 2017 sei bereits klar, dass die Produktion steige, der Preis aber falle. Für Böker nur eine Momentaufnahme, denn neben Überproduktion und sinkenden Preisen seien künftig auch gegenteilige Effekte möglich.

Von Steffen Kahl

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