Standpunkte gegen Gewalt an Frauen: Organisatorinnen stellen Bewusstseinswandel fest

Nicht mehr hinter verschlossener Tür

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Britta Hönig vom Frauenhaus freut sich über die große Unterstützung bei den Standpunkten gegen Gewalt an Frauen.

Uelzen. Große Unterstützung fand die Aktion des Runden Tischs zur gemeinsamen Umsetzung des Gewaltschutzgesetzes in Uelzen Samstagmittag auf dem Herzogenplatz, berichtet Mitinitiatorin Britta Hönig.

„Viele Menschen schickten uns schon vorher ihre Standpunkte, weil sie wussten, dass sie heute nicht auf dem Herzogenplatz dabei sein können. “.

„Das Thema gehört in die Öffentlichkeit“, sagt Kriminalhauptkommissarin Jacqueline Falke bei der Veranstaltung auf dem Uelzener Herzogenplatz.

Für die Mitarbeiterin des Frauenhauses und der BISS-Beratungstelle Uelzen, die erste Anlaufstelle für Frauen und Mädchen, die von Gewalt betroffen sind, ist die rege Teilnahme an der Aktion ein deutliches Zeichen der Veränderung. Lange Jahre war häusliche Gewalt ein Thema, das zum Schutz der Opfer von Sozialarbeitern und Polizei hinter verschlossenen Türen bewältigt wurde. „Aber das Thema gehört in die Öffentlichkeit“, erklärt Kriminalhauptkommissarin Jacqueline Falke, beim Polizeikomissariat Uelzen Sachbearbeiterin für Gewaltdelikte an Frauen und Mädchen. „Noch vor wenigen Jahren hätten nicht so viele Frauen den Mut gehabt, stehen zu bleiben und ihren Standpunkt zu äußern.“

Inzwischen wissen Frauen und Mädchen, dass und wo sie Hilfe bekommen, wenn sie häusliche Gewalt nicht mehr stillschweigend erdulden wollen. Die Flucht aus der Tabu-Zone sei insoweit gelungen, dass auch Nachbarn, Kollegen oder Freunde Anteil nehmen am Schicksal von betroffenen Frauen. Ohne selbst unmittelbar betroffen zu sein, fühlen sich viel mehr Menschen durch Gewaltdelikte in ihrem Umfeld betroffen. „Erst denken, dann sprechen: keine Gewalt“, lautet daher auch der Standpunkt von Ute Lange-Brachmann, die ihre Botschaft, wie viele andere an diesem Vormittag auf ein großes Blatt Papier schreibt und dann ihre Füße mitsamt der Botschaft fotografieren lässt. Schon nach einer Stunde hängen zahlreiche ähnlicher Botschaften an der über den Aktionstischen aufgespannten Wäscheleine.

Trotz dieser Aufgeschlossenheit werde das Thema die Instititutionen des runden Tisches noch lange beschäftigen, fürchtet Falke, die an diesem Vormittag immer wieder hört, dass auch Männer von Gewalt betroffen seien. „Im breiten Spektrum der Gewaltbegriffe sei die Form der Gewalt gegen Männer zum überwiegenden Teil anders zu charakterisieren“, erklärt Falke. „Die Biografien von Frauen und Mädchen sind häufig von klein auf schon durch erlebte Gewalt oder Bedrohung mit Gewalt und der Angst, Opfer von Gewalt zu werden, geprägt.“

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