Groß angelegte Polizeikontrolle in Uelzen: Sieben Fahrer unter Drogeneinfluss am Steuer

Nicht betrunken, aber doch berauscht

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Kontrollen im Akkord: Insgesamt 40 Polizeimitarbeiter des Drogenkontroll-Trupps waren im Einsatz.

Uelzen. Irritierte Blicke erntet Philipp Borstel reichlich, als er beinahe im Akkord mit routinierten Armbewegungen Fahrer für Fahrer in die Einfahrt zur Uelzener Aral-Tankstelle am nördlichen Stadttor lotst.

An der sogenannten „Blauen Lagune“ – und im Bereich der Bartholomäiwiesen – müssen am Dienstag 251 Verkehrsteilnehmer eine unfreiwillige Pause einlegen. Der Grund: Eine groß angelegte Drogenkontrolle der Polizeidirektion Lüneburg.

Urintest – ja oder nein? Polizeioberkommissar Ingo Dammann bei einer Kontrolle.

Und dabei kann es an diesem Tag wirklich jeden erwischen, wie Drogenexperte Philipp Borstel von der Uelzener Polizei klarstellt, „von der Mutter mit zwei Kindern bis zum Geschäftsmann“. Mindestens ein Monat Fahrverbot, zwei Punkte und eine Bußgeldzahlung in Höhe von 500 Euro drohen beim Verstoß gegen das Drogengesetz im Straßenverkehr – siebenmal kommt das am Dienstag vor. Nach welchen Kriterien und Merkmalen die Polizei kontrolliert? Borstel spricht von Menschenkenntnis und Intuition, primär aber stünden junge Fahrer bis Mitte 20 im Visier der Beamten. „Es wird viel gekifft – insbesondere bei den Jüngeren.“

Nicht jedem kommt somit eine Kontrolle recht. Um kurz nach 14 Uhr – die Mitarbeiter des Drogenkontroll-Trupps haben gerade ihre Posten bezogen – piept Borstels Funkgerät: Ein Fahrer mit Soltauer Kennzeichen ist, statt der Polizeianweisung zu folgen, schnurstracks in Richtung Kirchweyhe davongeflitzt. Borstel springt in den Streifenwagen und heftet sich an die Fersen des Flüchtigen. Der ist zu diesem Zeitpunkt zwar schon außer Sichtweite, doch der Polizist hat Hoffnung: „Mal gucken, ob er sich verfahren hat. Das ist bei einem Auswärtigen ja nicht ganz abwegig.“

Mit konzentriertem Blick kurvt Borstel durch die Kirchweyher Straßen – jedoch ohne Erfolg. Der Mann bleibt unauffindbar.

Viel Zeit, um sich zu ärgern, bleibt nicht. Zurück an der Tankstelle reihen sich bereits die Autos am Rande des Parkplatzes. Borstel geht zielstrebig auf eine Frau, Mitte 40, zu, die dem Polizisten bereitwillig aber sichtlich irritiert ihre Papiere vorzeigt. Und dann hagelt es Fragen – nach dem letzten Alkoholkonsum, Medikamenten, Betäubungsmitteln. Ob sie schon mal Drogen genommen habe und wann. Ja, gibt die Frau zögerlich zu, habe sie – als Heranwachsende. Borstel will es noch genauer wissen. „Mich interessiert weniger die Jugend“, sagt er später, „sondern, wie lang die Jugend her ist.“

Die Frau verhält sich unauffällig und darf weiterfahren. Nicht so die vier Männer, die kurz darauf auf das Gelände fahren. Eine Urinprobe lässt keinen Zweifel zu: Der Fahrer steht unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln. Und nicht nur das: Keiner der vier Autoinsassen – drei von ihnen hielten sich als schwedische Asylbewerber illegal in Deutschland auf – kann einen gültigen Führerschein vorweisen. Insgesamt werden bis zum Abend acht weitere Strafverfahren – unter anderem wegen des Besitzes von Betäubungsmitteln – eingeleitet.

Die Bilanz von Uelzens Streifendienstleiter Ralf Munstermann fällt deutlich aus. „Das zeigt, dass wir im Straßenverkehr hier Betäubungsmittel haben. Das ist bedenklich.“ Doch es gab auch ein erfreuliches Ergebnis: Der höchste Alkoholwert lag bei 0,24 Promille und spielte somit keine Rolle.

Von Anna Petersen

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