Von Woche zu Woche

Neuland – Kunden sind auch am Zug

Fleisch aus umweltschonender und artgerechter Tierhaltung – Neuland bietet das, was die Verbraucher wollen, oder zumindest wollen sollten; zumindest ist das die öffentliche Meinung...

Trotzdem hat die Neuland Produktvermarktung Nord mit Sitz in Bad Bevensen Insolvenz angemeldet. Ist ökologisch und ethisch produziertes Fleisch für den Verbraucher also doch nicht attraktiv genug?

Wiebke Brütt

So einfach ist es sicher nicht. Fest steht: Die Gesellschaft hat Fehler gemacht. Der Skandal, bei dem konventionell produziertes Hähnchenfleisch als Neuland-Ware verkauft worden sein soll, hat Wellen geschlagen und das Vertrauen der Kunden erschüttert. Anstatt danach konsequent und einig an Kontrollen und Strukturen zu arbeiten, zeigt sich Neuland vor allem uneins. Misstrauen zwischen Gesellschaftern, Trägervereinen, Aufsichtsrat und Geschäftsführung bestimmen die Stimmung und die Nachrichten. Interne Reibereien machen dem Unternehmen zu schaffen, ein Großkunde bricht weg, Lieferanten warten auf ihr Geld... die Abwärtsspirale dreht sich. Klar ist: Neulands Strukturen sind zu teuer – ein Punkt, an dem das Unternehmen nun nachbessern will. Der Tierschutzgedanke soll wirtschaftlicher umgesetzt werden – durch schlankere Strukturen bei Neuland, aber auch höhere Verkaufspreise.

Und damit kommt dann der nächste Faktor ins Spiel – wie viel sind Moral und Ethik dem Kunden wert? Der überzeugte Neuland-Kunde hält dem Label – nach einer kürzeren Schlappe direkt nach dem Hähnchenfleisch-Skandal – weiter die Treue, das beteuern Landwirte und Schlachter der Region. Die Nachfrage sei da – zumindest in den bewährten Neuland-Theken. In den Supermärkten suchen Kunden Neuland-Fleisch weiter vergeblich – das war auch vor dem Skandal schon so. Zwischen veganer Wurst, Sushi und argentinischem Rindfleisch zu Schleuderpreisen finden sich zwar ausgewählte Bio-Produkte, Neuland aber selten bis nie. Das kann das Resultat einer bisher mangelhaften Vermarktungsstrategie sein. In jedem Fall ist die Masse der Kunden aber einfach nicht dazu bereit, den höheren Preis des Neuland-Fleisches zu zahlen – die fehlende Präsenz in den Märkten und schlussendlich die Insolvenz von Neuland wäre dann auch das Ergebnis des Zusammenspiels von Angebot und Nachfrage. Der einzige Weg aus der Misere kann dann doch nur sein: Nachdem Neuland nun Konsequenzen aus der eigenen Wirtschaftslage zieht, sollte auch der Verbraucher konsequent sein. Denn wer sich trotz moralischer Appelle weiter das günstige Schnitzel leistet, investiert in nichts als Doppelmoral.

Von Wiebke Brütt

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