BGH hebt Urteil gegen mutmaßliches Mitglied der Douglas-Bande auf

Neuer Prozess für Robert K.

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Uelzen/Karlsruhe. Der Prozess gegen ein Mitglied der sogenannten Uelzener Douglas-Bande wird neu aufgerollt. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe gestern Vormittag so entschieden.

Der BGH hat das vor etwa einem Jahr gefällte Urteil des Landgerichts Lüneburg gegen den Beschuldigten Robert K. gestern in vollem Umfang aufgehoben. Der Fall muss jetzt vor einer anderen Strafkammer des Landgerichts neu verhandelt werden.

Der BGH begründete das Urteil im Wesentlichen damit, dass das Konsultationsrecht des Beschuldigten dadurch verletzt worden sei, indem er seine Aussage vor der Untersuchungsrichterin des Amtsgerichts Uelzen ohne seinen Anwalt gemacht habe. Unter anderem auf diese nun für rechtswidrig erklärte Aussage hatte die Jugendkammer des Lüneburger Landgerichts ihren Urteilsspruch gestützt und den 20-Jährigen wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt.

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Robert K.s Verteidiger Volker König bewertet das BGH-Urteil gestern als „vollen Erfolg“. Was bei einer erneuten Verhandlung herauskomme, so König, wisse man zwar nicht. Für seinen Mandanten, so lautet seine Einschätzung, könne aber durchaus ein Freispruch drin sein. Einen Termin für den erneuten Prozessbeginn gibt es noch nicht, König geht allerdings davon aus, dass noch in diesem Jahr damit zu rechnen sei.

Für den Uelzener Strafverteidiger hat das gestrige Urteil aus Karlsruhe durchaus auch grundsätzlichen Charakter, sagt er, und das sei auch bei der nur etwa zehnminütigen Urteilsverkündung des Vorsitzenden in Karlsruhe deutlich durchgeklungen: „Mit diesem Urteil soll das Konsultationsrecht, nämlich das Recht eines Beschuldigten, sich eines Verteidigers zu bedienen, gestärkt werden“, erklärt Volker König.

Sein Mandant Robert K. habe damals in der Vernehmung durch die Haftrichterin um 13.35 Uhr nach seinem Anwalt, also Volker König, verlangt. Man habe auch versucht, ihn zu kontaktieren, bestätigt der Verteidiger, allerdings sei die Kanzlei wegen einer Mittagspause nicht erreichbar gewesen. Auf dem Anrufbeantworter sei aber zu erfahren gewesen, dass die Kanzlei ab 15 Uhr wieder besetzt sei. „Diese anderthalb Stunden“, wertet Volker König das BGH-Urteil gestern im AZ-Gespräch weiter aus, „hätte man abwarten müssen.“

Wie berichtet, war Robert K. vorgeworfen worden, im Juli 2011 an der Gudesstraße in Uelzen einen Mann lebensgefährlich verletzt zu haben, der einem Paar zu Hilfe gekommen war. Die Haftrichterin hatte vor der Jugendkammer des Landgerichts Lüneburg ausgesagt, dass Robert K. in seiner Anhörung ihr gegenüber gestanden habe, dem Opfer zweimal ins Gesicht getreten zu haben. Der Mann habe zu diesem Zeitpunkt bereits am Boden gelegen.

Von Ines Bräutigam

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