Kaltblüter gehen in Rente: Seit 30 Jahren leisten Pferde in Uelzens Wäldern ihren Dienst / Wald Vorbild in Niedersachsen

Neue Rückepferde für Modell-Wald in Uelzen gesucht

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Kaltblut Edold und Jochen Untiedt. Der Mitarbeiter der Stadt ist Forstwirtschaftsmeister und betreut die Pferde. Zusammen mit Hengst Moritz hat Edold lange Jahre wichtige Arbeit im Stadtwald und in Uelzens Umgebung geleistet. Die knappen Kassen könnten der forstwirtschaftlichen Tradition zum Verhängnis werden.

Uelzen. Seit mehr als 30 Jahren wird die Holzernte im Stadtforst Uelzen auf schonende Weise mit Rückepferden unterstützt. Geht es nach dem Willen der Politik, wird sich daran auch nichts ändern, wie jetzt bei einem Treffen klar wurde.

Allerdings stehen in Zeiten knapper Kassen alle Posten auf dem Prüfstand – und somit auch die Unterhaltungskosten für Edold und Moritz – die beiden Kaltblüter, die seit vielen Jahren in den Wäldern rings um die Uhlenköperstadt ihren Dienst tun, beziehungsweise taten. Denn im Alter von 20 Jahren ist Moritz jüngst in den verdienten Ruhestand gegangen und sein Freund Edold wird es ihm im kommenden Jahr gleichtun.

Deshalb soll so bald wie möglich ein Nach-Rücker angeschafft werden, der von Edold eingearbeitet werden kann und dann seinerseits ein weiteres Rückepferd an die Arbeit im Holz heranführt.

„Der Stadtforst Uelzen hat eine lange Tradition“, erläutert der Leiter des Uelzener Forstamtes, Thomas Göllner einer Gruppe von Uelzener Politikern bei dem angesprochenen Treffen. Zu diesem kamen neben der stellvertretenden Bürgermeisterin Ariane Schmäschke auch Karl-Heinz Schmäschke, Herwig Maaß und Karsten Jäckel sowie der Landtagsabgeordnete Heiner Scholing in den Stadtwald.

Seit 1975 wird der Stadtwald naturgemäß bewirtschaftet – auf eine Art, die als einzigartig in Niedersachsen gilt: standortgerechte Baumarten, der Umbau von Nadelholz-Monostrukturen in Mischbestände, die Schaffung von Strukturvielfalt, der Verzicht auf Kahlschläge und Pestizideinsatz ebenso wie Arten- und Biotopschutz – und eben der Einsatz der beiden Rückepferde bei der Holzernte. Die Kaltblüter Edold und Moritz ergänzen Maschinen und ersetzen sie teilweise.

1999 konnten sie dank einer Förderung angeschafft werden. Auch für ihre Nach-Rücker sollen Fördermittel eingeworben werden. „Besonders wichtig für uns ist die Unterstützung bei den laufenden Kosten“, erläutert Thomas Göllner. Rund 10 000 Euro werden dafür im Jahr gebraucht.

Für den Einsatz von Pferden im Wald spricht: Sie tragen keine Schadstoffe in das Waldökosystem und ins Trinkwasser ein, sie schonen die natürliche Verjüngung von Waldbäumen und belasten den Boden deutlich weniger als große Maschinen.

Darüber hinaus brauchen Pferde weniger Rückegassen als die Fahrzeuge. Es steht also mehr Fläche für die Bewirtschaftung zur Verfügung – ein wirtschaftlicher Vorteil. „In der Uelzener Bevölkerung gibt es eine große Zustimmung zu dieser Art der Waldbewirtschaftung“, so Ariane Schmäschke, die sich gemeinsam mit ihren Ratskollegen für die Rückepferde stark macht.

Auch auf Landesebene soll das „Uelzener Modell“ nun Thema werden. „Ich werde in Hannover für dieses Anliegen werben.

Vielleicht können wir jetzt in den Haushaltsverhandlungen noch etwas erreichen“, so der grüne Landtagsabgeordnete Heiner Scholing bei dem Ortstermin.

Von Christine Kohnke-Löbert

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