Straftäter in Uelzen verfolgen Polizisten auch privat – hohe Geldstrafe

Neue Qualität der Bedrohung

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Uelzen. Familienangehörige von Angeklagten bedrohen Gericht, Staatsanwaltschaft und Journalisten – und auch Polizisten sehen sich im Privatleben in Uelzen mittlerweile mit Bedrohungen und auch Erpressungen konfrontiert.

„Das hat in der vergangenen Zeit eine neue Qualität bekommen, das nehmen wir sehr ernst“, sagte gestern Uelzens Polizeichef Dieter Klingforth bei der Vorstellung der Kriminalbilanz 2011.

Im Rahmen der Ermittlungen gegen Mitglieder der so genannten Uelzener Douglas-Bande hatte es massive Einschüchterungsversuche auch gegen die Presse durch Familienangehörige gegeben (AZ berichtete). Und die Festnahme von fünf mutmaßlichen Mitgliedern, die sich wegen versuchten Totschlags oder Schutzgelderpressung verantworten müssen, war auch einer der markantesten Vorgänge für die Uelzener Kriminalpolizei im vergangenen Jahr.

„Den fünf Inhaftierten rechnen wir insgesamt rund 100 Straftaten von Erpressung über gefährliche Körperverletzung auch mit Messern bis zur Beleidigung zu“, bilanziert Uelzens Kripochef Jan-Olaf Albrecht. Allein fünf Prozent sämtlicher Körperverletungs-Delikte in Stadt und Kreis gingen auf das Konto der Bande.

Es seien „jugendliche Täter mit einer bestimmten Karriere, die in unserem Rechtssystem mit gewisser Langmut verfolgt wird“, umschreibt Albrecht den „Werdegang“ der Beschuldigten – bis das Maß irgendwann voll ist und der große Schlag in Form der U-Haft kommt.

Auch für einen Straftäter, der gezielt einen Kriminalbeamten ins Visier nahm, dürfte es langsam eng werden. Dieser hatte den Polizisten privat bedroht und war dafür zu einer Geldstrafe von mehreren tausend Euro verurteilt worden. Bei einer zufälligen Begegnung im Schwimmbad verlangte der Verurteilte die Geldstrafe von dem Beamten zurück – jetzt wird gegen ihn wegen Erpressung ermittelt. Derweil wurde in Lüneburg einem Polizisten der Privat-Pkw angezündet, der in seinem Carport stand.

Von Thomas Mitzlaff

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