Uelzener betroffen: Fingierte Rechnungs-Mails beinhalten Schadsoftware – Ermittler geben Tipps

Neue Masche im Netz

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Kriminalhauptkommissar Reinhard Vogel (links) und Polizeioberkommissar Frank Deneke.

Uelzen-Landkreis. Das Ziel ist stets dasselbe: Schädliche Software auf Uelzener Computer einschleusen. Nur die Maschen ändern sich, wissen Kriminalhauptkommissar Reinhard Vogel und Polizeioberkommissar Frank Deneke von der Uelzener Polizei.

Sie arbeiten im Fachbereich für Betrugs-, Internet- und Wirtschaftskriminalität. Im ersten Quartal 2013 müssen die Ermittler eine steigende Zahl von Betrugsdelikten, die über das Internet vorgenommen wurden, feststellen. Über die Masche der Betrüger und worauf Uelzener beim Surfen im Netz unbedingt achten sollten, darüber sprechen die Experten in der AZ.

Aktuell werden verstärkt E-Mails versandt, die den Empfängern suggerieren, eine Rechnung übersehen und nicht bezahlt zu haben, so die Beamten. Die in der elektronischen Post ausgewiesene Rechnungssumme schwankt zwischen 100 Euro und 1000 Euro und ist angeblich meist innerhalb weniger Tage fällig. An wahrscheinlich viele tausend Uelzener sind solche E-Mails verschickt worden.

„Auffällig bei den Schreiben ist, dass keine Kontodaten für die Zahlung genannt werden“, betont Deneke. Details soll der Empfänger aus der jeweils beigefügten Datei entnehmen. Häufig sei diese mit Dateinamen wie „rechnung.zip“, „mahnung.zip“ oder „lieferschein.zip“ deklariert. Öffnen Nutzer den Anhang, wird schädlicher Software, beispielsweise den sogenannten „Trojaner“, Tür und Tor geöffnet.

Denn tatsächlich beinhalten die Mail-Anhänge ein ausführbares Programm, das nach Aufrufen den Rechner des Empfängers befällt. Für gewöhnlich sperrt die Schadsoftware den Computer und zeigt vermeintliche BKA-, GEMA- oder GVU-Sperrseiten auf dem Bildschirm an (AZ berichtete). Durch die Zahlung von üblicherweise 100 Euro, so wird es dem Benutzer vorgegaukelt, würde der Computer wieder entsperrt. Die derzeit kursierenden, fingierten Rechnungs-Mails dienen also in erster Linie der Verunsicherung. Sie verleiten dazu, den Mail-Anhang zu öffnen. Davor warnen Ermittler Vogel und Deneke eindringlich. „Reagieren Sie nicht auf solcherlei E-Mail und löschen diese umgehend von Ihrem Rechner“, lautet der Experten-Rat an die Uelzener.

Schlimmstenfalls, das wissen die Kriminalbeamten, gelingt es Betrügern E-Mail-Konten der ahnungslosen Computer-Nutzer im großen Stile auszulesen und die erlangten Daten auf dafür einschlägigen Foren preiszugeben – mit fatalen Folgen für die Betroffenen: Mail-Dienste werden gehackt, ein neues Passwort angelegt. Betrüger können daraufhin E-Mails an die gespeicherten Adressaten verschicken. Ein Fall, der den Uelzener Ermittlern vorliegt: Bekannte vermuteten den vermeintlichen Absender in Not, der angegeben hatte, im Ausland zu sein und dass dort sein Portemonnaie gestohlen wurde. Mit der Bitte um Überweisung mehrerer hundert Euro via Western Union konnten Betrüger so von Uelzener Geschädigten Geld erschleichen. In einem anderen Fall haben Täter beim Online-Auktionshaus ebay mehrere Einkäufe auf Kosten ahnungsloser Computer-Besitzer aus dem Kreis Uelzen vorgenommen.

Für Betreiber von Internetseiten sei es besonders heikel, in einem Willkommensgruß ihre eigene Unterschrift eingescannt abzubilden. „Ist auf der Internetseite dann auch noch die eigene Bankverbindung aufgeführt, stellt dies für Betrüger fast schon eine Einladung dar“, schildert Deneke. Papier-Überweisungsträger würden mit den Bankdaten und einer „geübten“ Unterschrift des Kontoinhabers versehen und namhafte Beträge für einen Empfänger im Ausland eingesetzt. Häufig fällt die Überweisung zu spät auf, so dass Rücklastschriften nicht mehr möglich seien.

Appell an alle Uelzener

Ermittler Vogel und Deneke appellieren an alle Uelzener, die sich im Internet bewegen – beruflich sowie privat – besondere Vorsicht walten zu lassen: Auch versierte Nutzer gehen Betrügern auf den Leim.

Von Michael Koch

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