1. Uelzener Hansefest: Der Bürgermeister zur Bedeutung des Titels Hansestadt

Jürgen Markwardt: „Nehme Aufbruchstimmung wahr“

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Ein stolzer Tag für die Stadt und ihren Bürgermeister Jürgen Markwardt (r.): Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius verlieh Uelzen am 18. April offiziell den Titel Hansestadt.

Uelzen. An diesem Wochenende feiert Uelzen sein erstes Hansefest, heute und am morgigen Sonntag gibt es ab 11 Uhr rund um den Schnellenmarkt ein buntes Programm. AZ-Redakteur Steffen Kahl sprach mit Uelzens Bürgermeister Jürgen Markwardt über das neue „Hansestadt-Gefühl“.

Interview

Herr Bürgermeister, gestern schwammen über 500 kleine Hanseschiffchen unter dem Rathaus hindurch, heute beginnt das erste Uelzener Hansefest. Wie groß ist Ihre Feierstimmung und wie sehr fühlen Sie sich inzwischen als Bürgermeister einer Hansestadt?

Markwardt: Die Feststimmung ist sehr groß, weiß man doch an diesem Wochenende kaum, welches das schönste Event sein wird – Kinderstadtwette, der Wochenmarkt, Oktoberfest sowie unser erstes Hansefest. Es fühlt sich toll und nur gut und richtig an, Bürgermeister der Hansestadt Uelzen zu sein, wenn wir auf unsere lange und tief verwurzelte Vergangenheit mit dem Hansebund zurückschauen.

Wie viel hat sich in Uelzen 2016 durch den Titel Hansestadt verändert?

Uelzen ist seit fast 700 Jahren im Hansebund und hat sich ständig verändert. Da ist nicht zu erwarten, dass wir in neun Monaten jeden Stein umdrehen. Trotzdem spüre ich Veränderungen, insbesondere im Bewusstsein der Uelzener selbst. Ich werde immer wieder auf das Thema angesprochen. Es gibt viele neue Publikationen und Bücher über Uelzens Geschichte mit der Hanse. Ich nehme ganz viel Engagement wahr. Die Unterstützung, die wir jetzt für die Vorbereitungen des Hansefestes erfahren, ist enorm. Wir beschäftigen uns viel mehr mit der Vergangenheit unserer Stadt. Das ist etwas ganz Tolles. Daneben stelle ich fest, dass wir insbesondere in der Metropolregion Hamburg stärkere Beachtung finden. Ganz häufig werde ich als Bürgermeister der neuen Hansestadt Uelzen begrüßt, und schon gehen die Augenbrauen hoch und viele schauen überrascht und interessieren sich.

Was bringt der Titel der Stadt bisher?

Also wir bekommen jetzt nicht automatisch mehr Geld, nur weil wir den Titel Hansestadt führen dürfen. Aber bei nicht monetären Faktoren wie Bekanntheit, Image und Zukunftsmöglichkeiten haben wir schon gewonnen und werden weiter zulegen.

Reisen zum Hansetag, neue Ortsschilder, neues Stadtlogo, Hansedenkmal, Hansefest – wie sieht es auf der Kostenseite aus?

Wir haben immer gesagt, dass wir nicht ganz viel Geld in die Hand nehmen wollen. Neue Ortsschilder, Stadtlogo und die Teilnahme am Hansetag werden aus bestehenden Budgets geregelt. Das Hansedenkmal wird über Spenden finanziert. Wir haben die Schwerpunkte angepasst und für das Hansefest beispielsweise auf die diesjährige „Schlacht der Spielmannszüge“ verzichtet. Bisher haben wir im Stadthaushalt keine zusätzlichen Mittel für das Thema Hanse eingestellt. Neues Personal wurde nicht eingestellt, aber ich möchte auf die Initiative, das Stadtmarketing neu aufzustellen, hinweisen, was 2017 erarbeitet werden soll. Dies wird nicht zum Selbstkostenpreis funktionieren.

Was halten Sie Kritikern entgegen, die den „Hanse-Hype“ nicht nachvollziehen können, weil sie darin keinen Nutzen sehen? Die nur sehen, dass für so ein Thema auf einmal Geld da ist, das ansonsten gefühlt an allen Ecken und Enden fehlt?

Ich nehme eine Aufbruchsstimmung wahr, aber keinen „Hanse-Hype“. Wir gehen alles gewohnt ruhig und ausgewogen an. Wir freuen uns mit vielen anderen Bürgern über diesen Titel. Wir suchen die Möglichkeiten, wie dies positiv zum Wohle der Stadt wirken wird. Und eines weiß ich auch: In fünf bis zehn Jahren wird sich kaum einer daran erinnern, dass wir mal nicht offiziell Hansestadt waren.

Das Stadtmarketing hat selbstironisch den Slogan „Ihr seid Hanse, wir sind Hänschen“ geprägt – wie schätzen Sie die Chance ein, dass Uelzen perspektivisch noch zu einer „großen“ Hansestadt wird?

„Hänschen“ sollte nie dazu dienen, uns klein zu machen, sondern augenzwinkernd andeuten, dass wir uns gut einschätzen können im Konzert der „großen“ Hansestädte wie Lübeck, Hamburg oder Lüneburg. Und es sollte neugierig machen auf uns, was zweifelsohne gelungen ist. Wir wissen, dass es nicht darum geht, „große“ oder „kleine“ Hansestadt zu sein. Wir wollen dabei sein, und dadurch mit den anderen gemeinsam gewinnen.

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